So wird Baden und Schwimmen sicher



Jeden Sommer ertrinken in Deutschland mehrere Hundert Menschen in Seen oder Flüssen. Lesen Sie hier, was die größten Gefahrenquellen sind und wie Sie sich davor schützen

Ein erfrischendes Bad im See gehört einfach zum Sommer! Mit ein paar Tipps kann man das kühle Nass gefahrlos genießen

Schauplatz Isar. Auf dem Fluss, der mitten durch München fließt, tummeln sich wie jeden Sommer Dutzende Schlauchboote und Flöße. Von manchen Flößen tönt Blasmusik, und in regelmäßigen Abständen erklingt das Geräusch aneinanderstoßender Flaschen. Ein paar Bier gehören für viele zum Schlauchboot-Trip auf dem Fluss dazu. Ein großer Spaß – wären da nicht Strömungen und der Leichtsinn durch den Alkohol. Vergangenen Sommer kostete dies einen Menschen das Leben, die starke Strömung der Isar wurde ihm zum Verhängnis.

Insgesamt ertranken in Deutschland 404 Menschen. Besonders oft trifft es Ältere über 55 Jahre. Die meisten Todesopfer gab es in Bayern. "Dort liegen viele Seen. ­Zumeist sind sie unbewacht", sagt Achim Wiese, Pressesprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-­Gesell­schaft (DLRG) und ehemaliger Rettungsschwimmer. Laut einer Statistik der DLRG von 2017 ertrinken die meisten in unbewachten Binnengewässern: in Flüssen, Bächen, Seen, Kanälen.

Lesen Sie, was die häufigsten Gründe dafür sind, dass Menschen beim Baden ums Leben kommen, und wie Sie selbst sicher baden. Damit das Schwimmen im Meer, See oder Fluss das bleibt, was es sein soll: ein erfrischendes Vergnügen.

Drei häufige Irrtümer über das Ertrinken:

  • Wer ertrinkt, zappelt und fuchtelt wild mit den Armen. Das stimmt nicht. Ertrinken ist ein stiller Tod. "Die meisten Menschen gehen klanglos unter", sagt Dr. Rolf Eichinger, ­Notfallmediziner und Taucharzt in Hilpoltstein im fränkischen Seenland, am großen Brombachsee. 
  • Kinder, die das "Seepferdchen" erworben haben, können schwimmen. Sicher schwimmen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erst, wenn sie mindestens 200 Meter in höchstens 15 Minuten zurücklegen, zwei Meter tief tauchen, einen Gegenstand aus dieser Tiefe heraufholen und aus einem Meter Höhe ins Wasser springen können. Erwachsene müssen 200 Meter in sieben Minuten schaffen. Diese Fähigkeiten entsprechen den Anforderungen an das Deutsche Jugendschwimmabzeichen und das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze. 
  • Strände und Seen, die nicht bewacht werden, sind bestimmt ungefährlich. Die Statistik spricht dagegen: An unbewachten Badestellen ertrinken die meisten Menschen. Strände werden in der Regel nur in Urlaubszentren bewacht oder wenn viele Menschen dort schwimmen.

Voller Bauch und Kälteschock: Welche Regeln stimmen?

Mit vollem Bauch ins Wasser? "Darüber streiten die Fachleute", sagt Achim Wiese. Tauchmediziner Eichinger relativiert: "Bei gesunden Menschen passiert nicht viel." Aber Personen mit Vorerkrankungen wie hohem Blutdruck oder neurologischen Leiden sollten vorsichtig sein.  

Die Erklärung: Wenn der Körper verdaut, fährt er das Herz-Kreislauf-System herunter, weil er seine Energie in den Verdauungsvorgang steckt. Springt man plötzlich in kaltes Wasser, erfordert das die entgegengesetzte Reaktion: Herzfrequenz und Blutdruck steigen, um die Peripherie warm zu halten und die Muskeln gut zu durchbluten. "In seltenen ­Fällen kann es dann zu einem Kollaps oder einer ­kurzen Ohnmacht kommen", sagt Eichinger.  

Kälteschock – gibt es den wirklich? Es kommt vor, dass Menschen, die ins Wasser springen, wie gelähmt sind und untergehen. Man spricht von Schwimmversagen. "Dieses Phänomen wird normalerweise erst bei Wassertemperaturen um die zehn Grad Celsius relevant", so Eichinger. Was genau im Körper geschieht, ist nicht bekannt. Fachleute ­vermuten ein neurologisches Problem. Die Muskeln können dann nicht mehr richtig angesteuert werden. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten auf jeden Fall langsam ins Wasser gehen und sich in Ruhe an den Temperaturunterschied gewöhnen.

So beugen Sie Gefahren und brenzligen Situationen vor

Wie kann ich vorbeugen, dass ich nicht in eine brenzlige Situation gerate?

  • Wer vorhat, weit hinauszuschwimmen, sollte immer ein Rettungsmittel mitnehmen. Binden Sie sich zum Beispiel ein Seil um den Bauch, an dem ein Schwimmbrett oder ein Rettungsring befestigt ist. "Wenn das Seil etwa drei Meter Länge hat, stört das Hilfsmittel nicht", sagt Eichinger. 
  • Nehmen Sie Taucherbrille und Schnorchel mit ins Wasser. Auch diese Hilfsmittel kann man an einer längeren Schnur um den Hals tragen. "Wenn Sie müde werden, setzen Sie beides auf, legen sich auf den Bauch und entspannen ein paar Minuten. Luft bekommen Sie durch den Schnorchel." Auf diese Weise geht man nicht unter, dafür sorgt die Luft in der Lunge. 
  • So sollte man sich auch verhalten, wenn man einen Krampf bekommt. Flach aufs Wasser legen, am besten auf den Rücken, Ruhe bewahren, abwarten, die betreffende Extremität strecken. Auch hier kann ein Schwimmbrett sehr nützlich sein.
  • Sagen Sie Bescheid, wo genau Sie schwimmen wollen, wenn Sie alleine an einer unbewachten Stelle ins Wasser gehen. 

Tipp von Achim Wiese: Schwimmen Sie besser parallel zum Ufer anstatt aufs Meer hinaus oder in Richtung Seemitte.

Strömungen, Strudel, Pflanzen: Diese Gefahren lauern im Wasser

  • Temperaturunterschiede: Auf die oberste Wasserschicht scheint die Sonne, dort kann es sehr warm sein. "Aber bereits 80 Zentimeter weiter unten kann es erheblich kälter sein", so Wiese. Diese Temperatursprünge auszugleichen ist für den Körper eine Herausforderung. 
  • Strömungen und Strudel: Gerade in Flüssen und im Meer können sie tückisch sein. Lassen Sie sich mit der Strömung ­treiben und schwimmen erst, wenn sie nachlässt, seitlich weg. "Niemals gegen die Strömung anschwimmen oder versuchen, an derselben Stelle wieder aus dem Wasser zu kommen, an der man reingegangen ist", sagt Achim Wiese. Geraten Sie in einen Wasserwirbel, gilt das Gleiche: Lassen Sie sich erst nach unten ziehen und tauchen dann seitlich weg. 
  • Vorsicht bei Buhnen. Das sind Aufschüttungen, die in den Fluss oder das Meer ragen, um Ufer oder Küste zu befestigen. "Mit der Fließrichtung des Flusses kommt Wasser zwischen die Buhnen. Es entstehen Rückströmungen und Strudel", erklärt Wiese. Auch bei Buhnen im Meer gibt es Verwirbelungen. 
  • Schlingpflanzen und Astwerk: Wenn man sich in Wasserpflanzen oder Ästen verfängt, entsteht leicht Panik.

Diese Gefahren werden selbst verursacht und sind vermeidbar

  • Leichtsinn: "Gerade wenn Alkohol im Spiel ist, neigt man dazu, Gefahren nicht mehr richtig einzuschätzen", sagt Rolf Eichinger. Aber auch unüberlegte Kopfsprünge kosten immer wieder Menschen das Leben, oder sie erleiden eine Querschnittslähmung.  
  • Selbstüberschätzung: Häufig werden die Gegebenheiten falsch beurteilt – Strömungen etwa oder Distanzen, die dann doch nicht bewältigt werden können.

Was tun, wenn man beim Schwimmen in Panik gerät?

Wenn man im Wasser in eine problematische Situation gerät, gilt als oberstes Gebot: Ruhe bewahren! Das ist zwar leicht gesagt. Aber: "Wenn ich in Panik gerate, verbrauche ich Energie, meine Gedanken verengen sich, ich handele nicht mehr rational", sagt Achim Wiese. Das kann einem zum Verhängnis werden.

In seiner Zeit als Rettungsschwimmer erfuhr der DLRGler, was es bedeutet, wenn ein Mensch im Wasser in Panik gerät. Wiese wollte einem Mann aus starker Brandung in der Ostsee helfen. Der in Not Geratene hatte Panik. "Er klammerte sich an mir fest", erinnert sich Wiese. Nur mithilfe eines ­Befreiungsgriffs, bei dem er den anderen in ­Rückenlage brachte, konnte Wiese den Mann retten. "Ich werde nicht vergessen, wie sich Menschen in Panik tatsächlich an jeden Strohhalm klammern." 

So helfe ich im Notfall richtig

Wählen Sie sofort die 112 und alarmieren den Rettungsdienst. Werfen Sie dem in Not Geratenen eine Luftmatratze, einen Rettungsring oder ein Seil zu. Oder ziehen sie ihn mit einem langen Stock an Land. Ver­suchen Sie besser nicht, ihn selbst zu bergen. Ertrinkende entwickeln ungeheure Kräfte. Sie könnten mit untergehen.

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