Bartpflege: Schönheit für Männer



Schnauzer, Chinstrap, Henriquatre und co: Es gibt viele Möglichkeiten, einen Bart zu tragen. Die Wahl der Gesichtsfrisur sollte gut überlegt sein. Wie verschiedene Formen wirken, wem sie stehen

Kleine Bartkunde: Dieser Bart rund um den Mund heißt Jägerbart oder Henriquatre nach König Heinrich IV

Michael Toman bittet den Kunden zum Friseursessel aus grobem Leder. Prüfend betrachtet er dessen dichten Vollbart von allen Seiten. Er soll wieder in Form gebracht werden, und Toman, Besitzer eines Barber­shops in München, weiß auch schon, in welche.

Seit 13 Jahren schneidet er in seinem Laden Bärte. Er hat viele Stammkunden – seit er 2016 Deutscher Friseurmeister wurde, noch mehr. Es ist ein persönliches Geschäft, sagt er. "Es gibt nicht viele Berufe, wo man ein ‚mein‘ davorsetzt. Mein Arzt, mein Anwalt. Mein Barbier. Irgendwann weißt du fast alles über deine Kunden."

Ein guter Barbier berät auch

Er wirft dem Herrn vor sich einen schwarzen Umhang über und klemmt ihm ein Handtuch in den Nacken. Dann legt er Trimmer, Kamm und Schere bereit und macht sich an die Arbeit. Zu seinen Kunden zählen viele Vollbartträger, gerade jün­gere. Sie vertrauen auf Tomans Erfahrung: "Ich berate meine Kunden und sage auch, wenn ein Bart nicht zu einem Typ oder Gesicht passt."

Bart ist nicht gleich Bart. In seiner jeweiligen Form ist die Gesichtsfrisur auch mit einer Botschaft verbunden. Zum einen sind Bärte ein Ausdruck von Maskulinität. Laut dem Sozialpsychologen Professor Julian Oldmeadow von der Universität Melbourne sind Bärte heute auch deshalb so verbreitet, weil es immer weniger Bereiche gibt, "in denen Männer rein männlich sein können".

Bereits seit der Antike ein Thema

Gelegentlich kippt die Symbolik auch ins Negative: "Viele Menschen nehmen einen Bartträger als jemanden wahr, der einschüchtern oder abschrecken will." Seit Jahrtausenden haben Männer sich das Barthaar wachsen lassen. Schon ein römisches Sprichwort besagt: "Barba decet virum – der Bart macht den Mann."

Doch bereits in der ­Antike war man sich ­bewusst, dass man den Gesichtsschmuck auch nicht über­interpretieren darf. So warnte der griechische Schriftsteller Plutarch: "Barba non facit philosophum – der Bart macht noch keinen Philo­sophen."

Für den modischen Bart heute gibt es eigentlich nur eine Regel: Gepflegt muss er sein. Barbier Michael Toman weiß, dass sich das regelmäßige Stutzen lohnt: "Je länger und zauseliger der Bart, desto älter sieht man aus.

Bartformen


Vollbart
Für den Trendbart gilt: Weit nach oben wachsen lassen und stark konturieren. Je nach Schnitt am Kinn kann er das Gesicht optisch strecken. Komplett verdecken sollte er den Hals nicht, das lässt viele Träger älter aussehen. Der Vollbart braucht viel Pflege, je länger man ihn wachsen lässt.

Dreitagebart
Er lässt das Gesicht runder und weicher wirken und eignet sich gut für eckige Gesichter. Achtung: Der Dreitagebart ist nichts für Badezimmermuffel – sondern sehr pflegeintensiv. Werden die Stoppeln zu lang, wirkt er schnell ungepflegt. Wichtig ist, die Konturen an Wangen und Hals genau auszurasieren. Die Verlängerung, der Sechs­tagebart, passt zu hageren Männern mit langem Gesicht, damit sie nicht zu knochig aussehen. Er betont bei eher harten Gesichtskonturen die sanften Seiten.

Chinstrap
Ein schmaler Kinnbart ohne Oberlippenbart, auf die Konturenlinien beschränkt. Sehr pflegeintensiv. Kann kantige Gesichter etwas weicher machen. Mit breiter Linie unterhalb des Kinns wird der schmale Chinstrap zur Schifferfräse – prominente Träger waren Abraham Lincoln oder Richard Wagner. Heute ist der Chinstrap eher ein Bart mit ­Exotenstatus; in der modernen Variante wird er mit ­einem Oberlippenbart kombiniert. Vorteil: kann ein Doppelkinn kaschieren.

Ziegenbart
Ein Ziegenbart oder Goatee ist ein Kinnbart. Es gibt ihn in verschiedenen Formen und Längen. War in den 90er-Jahren extrem beliebt, wird heute eher zusammen mit einem Oberlippenbart getragen. Da er das Gesicht optisch in die Länge zieht, ist er bei einem ausgeprägten Kinn oder länglicher ­­Gesichtsform keine gute Idee. Muss ebenfalls penibel gepflegt werden.

Koteletten- oder Seitenbart
Optisch "verbindet" er an beiden Seiten das Kopf- mit dem Barthaar und lässt ­das Gesicht dadurch länger wirken. Nicht nur bei ­Elvis-Fans beliebt – aktuell werden diese Bärte eher kurz getragen.

Henriquatre
Anders als der Ziegenbart ist der Henriquatre oder Jägerbart ein Rund-um-den-Mund-Bart. Er betont die Mundpartie und lässt Konturen weicher erscheinen, steht vor allem Männern mit flächigen und eher kantigen Gesichtern. Benannt nach König Heinrich IV, ist er heute bei "Hollywood- Royals" beliebt. Damit er nicht an den Märchenkönig Ludwig II. erinnert, sollte das Haar ums Kinn eher kurz getragen werden.

Schnauzer
Der Oberlippenbart ist ein Klassiker, der gerade wieder ein Revival erlebt. Er muss ­intensiv gepflegt und alle zwei Tage nachgeschnitten werden. Mann kann ihn in verschiedenen Varianten tragen, auch länger und mit Bartwichse gezwirbelt. Wirkt von elegant bis kantig extravagant.

Kunst mit Seife und Messer

Nach dem Trimmen geht es an die Feinarbeit: die Konturlinien. Bevor alles unter Schaum verschwindet, überlegt sich Michael Toman, wo sie verlaufen: "Sie müssen zur Gesichts- und zur Bartform passen." Mit dem Rasiermesser zieht er schmale Schneisen in den Schaum. In kurzen, schnellen Zügen, im richtigen Winkel. Am Ende ein paar Spritzer Aftershave – das desinfiziert und erfrischt. Nach einer halben Stunde ist der Bart wieder in Form und der Kunde, optisch verjüngt, zufrieden.

Dass Mann wieder gern und viel Bart trägt, schlägt sich auch in der Vielzahl spezieller Pflegeprodukte nieder: von Bartshampoos, Spülungen, dem Bartöl, der Bartwichse bis zu Lotionen gegen eingewachsene Barthaare.

Von der Apothekerin empfohlene Bartpflege

Die Münchner Apothekerin Yvette Mittermeier-Schmitt empfiehlt ein hautneutrales Shampoo ohne Konservierungs- oder Farbstoffe. Klettenwurzelöl kann zudem Hautirritationen lindern. In gewissen Abständen sollte Mann eine Kurspülung verwenden. "Die Kur pflegt die Haarspitzen besonders gut." Zudem beruhigen nach dem Trimmen und Konturieren irri­­­tations­mildernde Cremes, häufig auf Thermalwasser-Basis und mit Kalzium.

Schließlich kann Mann ein nicht fettendes Hautöl auftragen, das den Bart weich und kämmbar hält. Bewährt haben sich Öle mit Argan und Amarant sowie Abyssinianöl. Da Bärte stets auch Geruchsträger sind, sollte man das Öl passend zum Typ wählen. Mit Bartwichse schließlich lässt sich der Bart gut formen und zwirbeln.

Generell gilt: Je dünner und strähniger der Wuchs, umso eher sollte Mann sich überlegen, ob er sich überhaupt einen Bart stehen lässt. Denn Bärte ziehen Blicke an. Und die fallen auch auf die dünnen Stellen. Im schlimmsten Fall wird es ein Blick ins Nichts.

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