Hilfe bei empfindlicher Haut



Empfindliche Haut juckt, spannt oder brennt. Immer mehr Menschen leiden darunter. Welche Faktoren die Haut sensibel machen und was Sie bei der Körperpflege beachten sollten

Ihre Haut juckt oder spannt? Die richtige Pflege kann Linderung verschaffen

Was ist empfindliche Haut? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Denn Angaben zu leicht irritierbarer Haut, wie Fachleute auch sagen, beruhen lediglich auf subjektiven Aussagen Betroffener. Sie berichten, dass sie spannt, juckt, sticht, brennt, sich rötet.

Objektiv messbare Kriterien für solche Beschwerden existieren kaum. Zwar lässt sich bestimmen, wie viel Feuchtigkeit die Haut enthält oder wie schnell sie diese verliert. Doch das reicht nicht aus, um eine sensible Hülle zu definieren; Probleme beim Speichern von Feuchtigkeit charakterisieren auch trockenen Teint.

Empfindliche Haut reagiert stark auf äußere Reize

Zumindest weiß man mittlerweile, dass die Nervenendigungen in der Haut, die Signale wie "es juckt" ans Gehirn weiterleiten, bei Betroffenen anders aussehen als bei Menschen mit normaler Haut. Ein Forscher von der Uniklinik Brest (Frankreich) hat dazu kürzlich eine Arbeit veröffentlicht. 

Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die sich in einer Fachgruppe zum Thema zusammengeschlossen haben, definierten vergangenes Jahr empfindliche Haut im Fachblatt Acta Dermato Venerologica als solche, die besonders stark auf Reize von außen reagiert. "Zu diesen Reizen zählen Wind, Kälte, Kosmetika", sagt Professor Joachim Fluhr, Hautarzt und Allergologe an der Charité Berlin. Er gehört der Expertengruppe an.

Gestörte Hautbarriere als Ursache

In diese Definition eingeschlossen sind Patienten, deren Haut infolge ­einer Hauterkrankung empfindlicher reagiert. "Dazu gehören Rosazea, Neurodermitis, aber auch die periorale Dermatitis", sagt Professorin Claudia Borelli, ­Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser der Uni-Hautklinik Tübingen. In diesen Fällen spielt eine gestörte Hautbarriere eine Rolle, meistens kann die Haut nicht genügend Feuchtigkeit speichern. 

"Die oberste Schicht, die Epidermis, ist anders zusammengesetzt, weil bestimmte Fette nicht im richtigen Verhältnis produziert werden oder nicht richtig angeordnet sind und bestimmte Eiweiße nicht ausgebildet werden", sagt Professor Stephan Weidinger von der Uni-Haut­klinik Kiel. Auch manche Diabetiker leiden deshalb an empfindlicher Haut.

Warum mehr Menschen an empfindlicher Haut leiden

In zahlreichen Publikationen heißt es, die Zahl der Menschen mit sensibler Haut habe zugenommen. Je nach zitierter Untersuchung schwanken die Angaben zwischen 40 und 50 Prozent der Bevölkerung. Aber kann das stimmen? Zahlen zu erheben von etwas, für das aktuell nicht einmal eine eindeutige und allgemein anerkannte Definition vorliegt, scheint schwierig. Ärzte, die von steigenden Patientenzahlen berichten, berufen sich eher auf eigene Erfahrungswerte in ihrer Praxis als auf harte Fakten.

Mögliche Gründe dafür, dass unsere Haut empfindlicher wird, gibt es viele, darin sind sich Experten einig. Unter anderem reagieren mehr Menschen allergisch auf Umweltstoffe als noch vor einigen Jahren. Diese sogenannten Atopiker neigen zu Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma beziehungsweise leiden bereits daran – und entwickeln in der Folge mitunter auch sensible Haut.

Saubere Umwelt: Das Immunsystem sucht sich neue Aufgaben

Dermatologe und Allergologe Fluhr führt außerdem an, dass wir uns heute mehr unserem Körper und ­ästhetischen Gesichtspunkten zuwenden, den Blick stärker auf uns selbst richten. Das fördere psycho­somatische Aspekte, die sich ebenfalls über die Haut ausdrücken können, so der Experte.

Vor allem kommen wir wenig mit Schmutz oder Tieren in Berührung. Viele Menschen leben in großen Städten, doch auch auf dem Land geht es sauberer zu als früher. Aus dem Zusammenhang von Sauberkeit und Allergieneigung sowie Überempfindlichkeit entwickelten Experten die Hygiene-Theorie.

Claudia Borelli: "Kinder haben heutzutage wenig Kontakt mit Parasiten und Würmern. Deswegen sucht sich das Immunsystem, einfach gesagt, eine andere Beschäftigung und richtet sich gegen sich selbst."

Zu viel Hygiene schädigt den Schutzmantel

Der gesteigerte Stellenwert von Körperhygiene kann der Haut auch direkt schaden. "Manche Leute duschen zweimal am Tag", sagt der Apotheker Christian Jung aus Hannover. Mit so viel heißem Wasser, vielleicht noch zusammen mit Seife, komme selbst das ausgeklügelte Selbstregulierungssystem der Haut nicht zurecht.

Normalerweise erholt sich deren Schutzmantel, bestehend aus Fett, Eiweißen und Schweiß, rasch wieder. "Wäscht man sich aber fünf Mal in der Stunde die Hände, überfordert das die Regenerationsfähigkeit der Hautbarriere", erklärt Mediziner Weidinger.

Lesen Sie in der folgenden Bildergalerie, welche Pflege sensible Haut braucht.

So pflegen Sie sensible Haut


Wie finde ich eine Creme, die ich vertrage?

Lassen Sie sich Proben mitgeben. Dann testen Sie eine kleine Menge an einer empfindlichen Stelle wie der Armbeuge. "Drei Mal am Tag, drei Tage lang", sagt Professorin Andrea Bauer, Allergologin und Dermatologin an der Uni Dresden. Wenn Sie die Creme nach dieser Zeit gut vertragen, können Sie die große Packung kaufen und dabei bleiben. 

Kann ich nur Pflege ohne Duft verwenden?

Leider ja. Oder zumindest mit möglichst ­wenig Duftstoffen. Denn diese reizen sensible Haut. "Die Pflege sollte auch kaum ­Konservierungsstoffe enthalten", betont ­Derma­tologe Weidinger – und zudem ein ­­ aus­ge­wogenes Verhältnis von Feuchtigkeit und Fett bieten, um die geschwächte Barriere zu stärken. Zu viel Fett lege nur einen Film auf die Haut, der sie abdichte. Dann könne ein Hitzestau entstehen.     

Sind verschiedene Produkte eine Lösung?

Nicht unbedingt. Normalerweise kommt man mit einer Creme gut durch den Sommer, mit einer gut durch den Winter. "Die Pflege im Winter darf ein bisschen reichhaltiger sein, um trockene Luft und Kälte auszugleichen", sagt Expertin Bauer.

Die verschiedenen Produkte müssen nicht unbedingt aus einer Pflegelinie stammen. Vielleicht mögen Sie die Handcreme einer Marke, aber die Gesichtscreme einer anderen vertragen Sie besser. Wichtig ist, dass sie ein gutes Gefühl auf der Haut hinterlässt. Und generell gilt gerade bei empfindlicher Haut: Weniger ist mehr.        

Welche Lotion soll ich nach dem Duschen verwenden?

Cremen Sie sich gleich nach dem Duschen ein. "Diese Zeit nehmen sich viele Menschen nicht", weiß Claudia Borelli, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie.

Für die Bodylotion gilt dabei prinzipiell dasselbe wie für die Gesichtscreme: wenig Duft- und Konservierungsstoffe, eine ausgewogene Mischung zwischen Fett- und Wasseranteilen. Die Lipide in der Lotion sollten möglichst denen in der Haut ähneln. Jojoba-, Nachtkerzenöl, Sheabutter oder Ceramide eignen sich. Das Produkt sollte sich gut auftragen lassen.    

Was ist mit UV-Schutz?

Nie vernachlässigen. "Auch durch die Wolkendecke im Winter dringt UV-Strahlung", so ­Hautärztin Borelli. Besonders für Rosazea-­Patienten mit sensibler Haut ist Schutz wichtig. "Rosazea wird durch UV-Licht getriggert." Betroffenen empfiehlt Borelli Lichtschutzfaktor 50 in einer für sie geeigneten Zubereitung. Wer nicht an Rosazea leidet, für den kann ein in die Tagespflege integrierter UV-Schutz reichen.  

Was muss ich beim Rasieren beachten?

Verzichten Sie auf die Nassrasur, wenn sich die Haut danach ständig rötet oder mit Pickelchen reagiert. "Manche Geräte ritzen immer wieder die Haarfollikel an, dann wachsen die Härchen ein", sagt Ärztin ­Bauer.

Als Alternative zu Rasierschaum empfiehlt sie, Gesichtscreme als Grundlage für die ­Haarentfernung zu verwenden. Hinterher weder zu scharfe ­­Gesichtswässer noch alkoholhaltige Produkte verwenden – sie trocknen zusätzlich aus. Besser etwas Pflegendes, Hautberuhigendes auftragen.  

Wie dusche und bade ich hautschonend?

Wählen Sie rückfettende Duschgele oder Badezusätze. "Keine Seifen oder Schaumbäder", rät Dermatologe Weidinger. Diese entfetten die Haut zu sehr. Besser eignen sich Dusch- und Badeöle oder Syndets. Nicht den ganzen Körper einseifen, sondern nur die Stellen, die wirklich gereinigt werden müssen. Hinterher die Haut mit dem Handtuch trocken tupfen, nicht reiben oder rubbeln. Das kann zu Rötungen führen.  

Ist Naturkosmetik die bessere Alternative?

Nicht immer. " ,Natürlich‘ heißt nicht automatisch besser verträglich", sagt Andrea Bauer. Gerade ätherische Öle oder auch in Männerparfüms verwendetes Eichenmoos besitzen ein hohes allergisches Potenzial. Andere Naturstoffe wie etwa Propolis oder Teebaumöl können ­ebenfalls reizen.

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