Schminktipps für krebskranke Frauen



Bei einer Chemo- oder Strahlentherapie können Haare ausfallen oder die Haut trocken werden. In einem Kurs der DKMS bekommen Krebspatientinnen Schmink- und Pflegetipps

Trotz Krebs den eigenen Körper wieder positiv erleben – dabei kann Schminke ein Hilfsmittel sein

Am Anfang reden die Frauen nicht viel. Sie kennen sich nicht. Die Tische im Seminarraum des Augsburger Klinikums stehen in U-Form. Jeder Platz ist mit einem Schminkspiegel, einer Packung Kos­metiktücher und Schminkutensilien ausgestattet: Puder, Make-up, Mascara, Reinigungsmilch, Gesichtscreme. In der Mitte steht ein Stuhl. Darauf nehmen die Teilnehmerinnen nacheinander Platz – wenn sie mögen.

Das ist der Kosmetikerin Michaela Hansmann aus Friedberg bei Augsburg wichtig. Sie leitet das Schminkseminar für Krebspatientinnen, die eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten. "Sobald die Frauen die Diagnose bekommen, müssen sie so viele Dinge beachten, auf so vieles verzichten. Deshalb muss hier niemand irgendetwas."

Beauty-Angebote helfen Patientinnen, sich besser zu fühlen

Die Beauty-Angebote für Krebspatientinnen der Organisation DKMS Life folgen dem Prinzip "Look good. Feel better". Zu Deutsch: gut aussehen, sich besser fühlen. Die Idee dahinter: Man fühlt sich besser, wenn man in den Spiegel guckt und einem das eigene Bild gefällt. Mit der Krankheit umzugehen ist Herausforderung genug – ein Trostpflaster für die Seele daher besonders wichtig. Und tatsächlich: Es hilft. 

Das Seminar "Look good. Feel better" der DKMS Life

Nähere Informationen über die Schminkkurse gibt es im Internet unter: www.dkms-life.de

Hansmann erklärt den fünf Teilnehmerinnen, worauf es beim Schminken ankommt. Reinigen, Gesichtswasser auftragen, die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Dann geht’s los. Mit einem Concealer lassen sich Rötungen abdecken. Eine der Frauen sitzt inzwischen auf dem Stuhl in der Mitte. "Jetzt kommt das Make-up", sagt Hansmann und verteilt es mit einem Pinsel auf dem Gesicht. Der sei besser als ein Schwämmchen. "Den Pinsel kann man leichter reinigen, einfach mit Shampoo auswaschen." Hygiene ist für Krebspatientinnen besonders wichtig. 

Schminktipps und Gespräche sorgen für bessere Stimmung

"Und wie pflege ich jetzt meine Haut?", will eine der Frauen wissen. "Seit der Bestrahlung habe ich gar kein Verhältnis mehr zu ihr." Ihr langes Haar hat sie zu einem Zopf geflochten, der über ihre Schulter fällt. Die linke untere Seite ihres Hinterkopfes ist kahl. "Dabei haben Sie so schöne Haut", sagt eine andere Teilnehmerin zu ihr. "Ich hatte erst eine Behandlung", erzählt eine weitere. Sie trägt ihr platinblondes Haar kurz. Zwischendurch lacht sie. Manchmal seufzt sie. Sie schlafe elf Stunden in der Nacht, erzählt sie. "Echt?", fragt eine der Übrigen. "Ich kann nicht schlafen. Die Nächte sind eine Katastrophe."

Dann kommt der Lippenstift. Die Kosmetikerin hat knalliges Orangerot im Angebot. "Derselbe Ton sieht bei jeder Frau anders aus." Das stimmt. Aber bei allen ändert die Farbe den Ausdruck im Gesicht. Sind die Lippen betont, strahlen die Augen mehr. Mittlerweile unterhalten sich die Frauen lebhaft. Eine freut sich, weil ­eine andere nicht erkannt hat, dass sie eine Perücke trägt.

Und Kosmetikerin Hansmann tuscht derweil Wimpern, trägt Lidschatten und Rouge auf oder Terracottapuder für schnelle Frische. "Gehen wir heute Abend aus?", fragt eine der Frauen am Ende des Kurses. "So kann ich mich unmöglich vor den Fernseher setzen!" Die anderen lachen. Gut aussehen, sich besser fühlen. Das klappt – auf jeden Fall ein bisschen.

Das sollten Sie beim Schminken beachten 

  • Reinigen Sie das Gesicht morgens und abends gründlich mit einem milden Gel oder einer Milch. "So entfernen Sie Fette und Salze, die sich über Nacht ablagern", sagt Kosmetikerin Hansmann. Während einer Chemotherapie kann die Haut solche oder andere Stoffe vermehrt ausscheiden. 
  • Spannt die Haut danach, tragen Sie Gesichtswasser auf. "Das beseitigt Kalkrückstände aus dem Wasser, die das Spannen verur­sachen", erklärt die Kosmetikerin. 
  • Verwenden Sie Pflegeprodukte für empfindliche und trockene Haut. Häufig reagiert die Haut während einer Chemo- oder Strahlentherapie sensibler als sonst. Bei einer Strahlentherapie ist sie zusätzlich lichtempfindlicher. Deshalb empfiehlt sich Tagespflege mit LSF. 
  • Bevor Sie Make-up auftragen, benutzen Sie Feuchtigkeitspflege. "Sonst zieht die Haut bei Bedarf Pflegestoffe aus dem Make-up. Sie wird dann fleckig", so Hansmann.  
  • Vorsicht bei künstlichen Wimpern. "Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Wimpern aufkleben dürfen. Nicht alle Inhaltsstoffe der Kleber vertragen sich mit einer Therapie, da besonders die Schleimhäute sehr empfindlich reagieren können."  
  • Augenbrauen zeichnen: Markieren Sie mit einem Stift drei Punkte. Startpunkt: das Ende der verlängerten Linie vom Nasenflügel über die inneren Augenwinkel. Höchster Punkt: die verlängerte Linie von Nasenflügel über die Pupille. Endpunkt: verlängerte Linie vom Nasenflügel über den äußeren Augenwinkel. Dann die Punkte mit feinen Strichen verbinden. Helle Typen verwenden einen Stift in Lichtbraun. Schwarz ist zu hart. Ärgern Sie sich nicht, wenn die Linie nicht gleich perfekt wird, man muss ein wenig üben, bis man den Bogen raus hat.  
  • Aufpassen bei Permanent-Make-up. Lassen Sie sich während der Chemotherapie nicht die Brauen tätowieren. Wenn überhaupt, dann einige Zeit davor. Der Körper kann während der Therapie anders auf Pigmente reagieren. Wählen Sie nur Farben, die der Europäischen Kosmetikverordnung entsprechen. 
  • Tipp: Machen Sie vor der Chemotherapie ein Foto von sich, dann wissen Sie hinterher, wie Ihre Brauen geformt waren und wie die Frisur aussah. Falls später eine Perücke nötig sein sollte, lässt sie sich anhand einer Vorlage besser gestalten.  
  • Wenn Wimpern fehlen: Zeichnen Sie Punkte auf den Wimpernkranz, dann verblenden. Es dauert bis zu zehn Monate, bis die Härchen nachwachsen. Beim Kopfhaar geht es in der Regel etwas schneller, da kommen nach drei bis sechs Monaten neue Haare nach.

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