Was viele nicht wissen: In diesen Halsschmerz-Tabletten stecken Antibiotika

Lutschtabletten versprechen schnelle Abhilfe, wenn der Hals kratzt. Die meisten Erkälteten wissen allerdings nicht, dass einige von ihnen auch Antibiotika enthalten. Das ist nicht nur sinnlos, sagen Experten.

  • Halsschmerzen mit Antibiotika haltigen Medikamenten weglutschen, funktioniert in der Regel nicht.
  • Die Apothekerkammer rät sogar davon ab.
  • Auch das bekannte Mittel Lemocin gehört dazu.

Zu Husten und Schnupfen kommt in der Erkältungszeit oft ein kratzender Hals. Apotheker empfehlen dagegen häufig Lutschtabletten.

Was viele Erkältungsgeplagte nicht wissen: Die rezeptfreien Medikamente enthalten außer schmerzlindernden Substanzen auch Antibiotika.

Laut dem Marktforschungsinstitut IMS Health werden im Halsschmerzmarkt in Deutschland jährlich vier Millonen Packungen von Halsschmerzmitteln mit Antibiotika verkauft. Dabei ist das in der Regel wenig sinnvoll. Denn meist sind es Viren, die Erkältungskrankheiten auslösen und gegen diese wirken Antibiotika ohnehin nicht.

Apotheker raten von Antibiotika haltigen Lutschtabletten ab

Auch wenn im Einzelfall eine bakterielle Infektion die Halsschmerzen auslöst, rät die Bundesapothekerkammer (ABDA) von Antibiotika haltigen Lutschtabletten ab. Selbst um diese zu bekämpfen, sei die Konzentration des Wirkstoffs auf der Mundschleimhaut zu gering.

Die Behandlung von Halsschmerzen mit Antibiotika haltigen Lutschtabletten lehnt man schon lange ab, um keine resistenten Keime zu züchten, sagt Peter Federspil, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft HNO-Infektiologie.

„Die Beimischung von Antibiotika ist bestenfalls nutzlos, wenn nicht sogar schädlich“, erklärt auch Michael Schneider dem Schweizer Portal „Watson.ch“. Der Berner Hausarzt setzt sich in der Schweiz mit der Gruppe NEXT (Neue Expertenstrategie zur Therapie von Halsschmerzen)  für einen sachgemäßen Umgang mit den Medikamenten ein. Allerdings fördert NEXT unter anderem die Firma Reckit Benickser AG, die ein antibiotikafreies Halsschmerzmittel herstellt.

In diesen Medikamenten stecken Antibiotika

In Deutschland kommen Antibiotika nach Informationen der Apothekerkammer in Halsschmerztabletten als Tyrothricin (z.B. in Lemocin, Dorithricin) und Fusafungin (z.B. in Locabiosol) zum Einsatz. 

Ob diese Wirkstoffe auch in den Mitteln in Ihrer Hausapotheke stecken, können Sie durch einen Blick auf die Packungsbeilage herausfinden.

Steigt die Zahl der Antibiotika-Resistenzen durch Halsweh-Lutschtabletten?

Dass die Antibiotika in den Lutschtabletten in den meisten Fällen sinnlos sind, ist die eine Seite. Andererseits entwickeln weltweit immer mehr Menschen Resistenzen gegen die Wirkstoffe.

Wenn sie an Infektionen durch resistente Bakterien leiden, wirken die klassischen Antibiotika nicht mehr. Um dem vorzubeugen, empfiehlt die Apothekerkammer: „Durch eine verantwortungsvolle Anwendung von Antibiotika können Resistenzen vermieden werden.“

Die Pharmaunternehmen wiederum sind der Meinung, das in Halsweh-Lutschtabletten enthaltene Antibiotikum Tyrothricin spiele in dieser Hinsicht kaum eine Rolle. „Unter therapeutischen Bedingungen sind bisher keine Resistenzen und Kreuzresistenzen bekannt geworden“, teilte etwa die Firma Novartis Consumer Health auf FOCUS-Online-Anfrage mit. Sie stellt so bekannte Produkte wie Lemocin her. Durch die mündliche Aufnahme werde das Antibiotikum Tyrothricin nicht in den Körper aufgenommen.

Was die beiden Stoffe Tyrothricin und Fusafungin angeht, ist die Bildung von Resistenzen noch fraglich, da sie lokal angewendet werden, sagt Peter Federspil: „Dennoch habe ich mit Tyrothricin bisher wenig Behandlungserfolge gesehen.“

Grundsätzlich gelte es, immer kritisch zu prüfen, ob Antibiotika wie auch Penicillin einsetzt werden müssen, wenn jemand beispielsweise an Mandelentzündung leidet. Zur Schmerzlinderung empfiehlt der HNO-Arzt Wirkstoffe wie Flurbiprofen oder wie Ibuprofen aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

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