Erstmals seit vier Monaten: Wieder mehr als 2.000 neue Corona-Fälle

Genau 2.034 neue Fälle meldete das Robert Koch-Institut am Samstag.

Am Sonntag lag die Zahl der innerhalb von 24 Stunden registrierten Neuinfektionen bei 782. Eine Entspannung des Infektionsgeschehens lässt sich daraus aber nicht ablesen.

Der niedrige Wert war zu erwarten, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Auch am Montag liegt der Wert deshalb häufig noch deutlich unter dem anderer Wochentage.

Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Infektionsgeschehens liefern die ans RKI gemeldeten Fälle binnen einer Woche. Diese Zahl lag am Sonntag bei 8.528 (Datenstand 23.8., 0 Uhr) und damit leicht über der vom Vortag (8.498). Vor einer Woche (16.8.) lag dieser Wert bei 6.837, vor einem Monat (23.7.) nur bei 2.843.

Beunruhigende Zahlen aus fast allen Bundesländern

In den letzten Wochen sei die Zahl der binnen einer Woche verzeichnete Fälle in vielen Bundesländern stark angestiegen, aus nur noch 17 Landkreisen seien in den letzten 7 Tagen keine Fälle übermittelt worden, schreibt das RKI in seinem Lagebericht vom Samstag. „Dieser Trend ist sehr beunruhigend.“

Hessen ergreift erste Maßnahmen

Auch in Hessen steigen die Fallzahlen. Die Stadt Wiesbaden teilte am Sonntag mit, Veranstaltungen und Zusammenkünfte mit mehr als 50 Menschen ab Dienstag für zunächst vier Wochen nur noch mit einer Genehmigung des Gesundheitsamtes zu erlauben.

Darunter fielen neben Privatfeiern im öffentlichen und nicht-öffentlichen Raum beispielsweise auch Kulturangebote wie Theater und Kinos.

Die Stadt Offenbach hatte wegen der Überschreitung der kritischen Schwelle von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ihre Maßnahmen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie bereits verschärft. Dort gelten nun strengere Kontaktbeschränkungen und eine nächtliche Sperrstunde für die Gastronomie.

Hamburg bereitet sich auf Impfungen vor

Die Gesundheitsbehörde der Stadt Hamburg breitet sich unterdessen auf die Organisation von Impfungen vor. Zu klären sei unter anderem, wer diese Impfungen vornehmen werde sowie Fragen der Lagerung und Verteilung des Impfstoffs, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde, dem „Hamburger Abendblatt“ am Samstag mitteilte.

Impfstoff gegen Corona für Anfang 2021 erwartet

Zuvor hatte dieStändige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) mitgeteilt, dass „nach aktuellem Kenntnisstand bis Anfang 2021 ein oder mehrere Covid-19-Impfstoff(e) in der Europäischen Union zugelassen und erste Produktionschargen verteilt werden könnten“.

In dem Papier erläutert die Stiko, auf welcher Grundlage sie Empfehlungen für einen eventuellen Impfstoff ausspricht und welche Kriterien den Empfehlungen zur Verteilung voraussichtlich zunächst knapper Impfstoffmengen zugrundeliegen.

Experten besorgt über Kapazitäten der Gesundheitsämter

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1.000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder.

Experten zeigen sich besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an ihre Grenzen bringt.

Aktuelle Corona-Zahlen im Überblick

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 232.864 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Sonntagmorgen im Internet meldete (Datenstand 23.8., 0.00 Uhr).

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.269. Seit dem Vortag wurden zwei Todesfälle mehr gemeldet. Bis Sonntagmorgen hatten etwa 207.100 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Samstag bei 1,13 (Vortag: 1,02).

Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI einen sogenannten Sieben-Tage-R an. Er bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Samstag bei 1,16 (Vortag: 1,12). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Deutsche Presse-Agentur (dpa)

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