Studie: So beeinflusst die Körperhaltung Psyche und Handeln

Als die Sozialpsychologoin Amy Cuddy 2012 in einem TED-Talk die Zuschauer erstmals über die Wirkung von „Power Posing“ aufklärte, löste das einen regelrechten Hype aus.

Das Video konnte Rekordzahlen von über 50 Millionen Klicks verbuchen.

Die Aussicht, über die Körperhaltung direkten Einfluss auf die Psyche und damit auf die Eigen- und Fremdwahrnehmung ausüben zu können, war so bahnbrechend wie entzückend.

Allerdings geriet die dahinterstehende Studie wegen methodischer Mängel und zweifelhafter Ergebniszusammenführung schnell in die Kritik.

Darum haben Forscher das Thema nun nochmal aufgerollt – mit verblüffenden Ergebnissen.

Über 70 Studien auf dem Prüfstand

„Uns hat vor allem interessiert, ob der Effekt von Bewegungen und Körperhaltungen wirklich robust ist, sich also in unterschiedlichen Studien immer wieder findet, oder ob er eher darauf zurückzuführen ist, dass in wissenschaftlichen Zeitschriften vor allem positive Befunde veröffentlicht werden und keine Null-Befunde“, erklärt Prof. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke.

Er und ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Aarhus in Dänemark und der Columbia University in New York analysierten daher mehr als 70 bereits bestehende Studien zu dem Thema auf ihre statistische Stimmigkeit.

Ende Juni konnten die Forscher die Resultate ihrer Meta-Analyse nun in der Fachzeitschrift ‚Perspective on Psychological Science‘ veröffentlichen und dabei für einige positive Überraschungen sorgen.

Die Motorik hat (bedingt) Einfluss auf die Psyche

Auch wenn die Arbeit von Amy Cuddy und ihrer Kollegin Dana Carney an der Harvard Business School von Experten bemängelt wurde, konnten die Psychologen über die dutzenden analysierte Studien nun doch feststellen, dass es eindeutige Auswirkungen von Körperhaltung und Bewegungsmustern auf die Psyche gibt.

Demnach können Gefühle, das emotionale Gedächtnis oder auch die Risikobereitschaft durch das motorische System, also durch Körperhaltungen und -bewegungen, tatsächlich beeinflusst werden.

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Uneindeutiger war die Beweislage dagegen in Hinblick darauf, ob die Motorik auch Einfluss auf die Hormone hat.

Und auch an anderer Stelle mussten die Forscher den treuen Anhängern des Power Posings den Wind etwas aus den Segeln nehmen.

Wirkung von Power Posing nicht bewiesen

So lässt Prof. Michalak wissen: „Unsere Analysen haben ergeben, dass sich eine zusammengesunkene Körperhaltung negativ auf den Zustand der Probanden auswirkt. Allerdings haben wir keine Hinweise für die positiven Effekte einer betont expansiven Körperhaltung im Sinne des Power Posing gefunden.“

Das beweist allerdings anders herum noch nicht, dass solche Effekte nicht trotzdem bestehen und gerade für Menschen mit depressiven Erkrankungen vielleicht eine Chance darstellen könnten.

Denn: „In den Studien, die in die Metanalyse aufgenommen worden sind, wurden immer nur kurzeitige Effekte untersucht. In Zukunft sollte man Studien dazu durchführen, ob sich ein Training von Körperhaltung oder Bewegungsmustern auch längerfristig auf den Zustand und die Symptome von depressiven Patienten auswirken“, so der Professor und Autor der Studie.

Quellen

  • Perspective on Psychological Science: „Expansive and Contractive Postures and Movement: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Effect of Motor Displays on Affective and Behavioral Responses“, abgerufen am 09.07.2020: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1745691620919358
  • TED: „Ihre Körpersprache beeinflusst, wer Sie sind“, abgerufen am 09.07.2020: https://www.ted.com/talks/amy_cuddy_your_body_language_may_shape_who_you_are?language=de#t-261809

Larissa Hellmund

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