Abtreibung als "heiliges Ritual": Wie Satanisten texanischen Frauen einen Ausweg bieten wollen

Einen Schwangerschaftsabbruch nur noch dann, wenn es keinen Herzschlag gibt – mit dieser neuen gesetzlichen Regelung hat der US-Bundesstaat Texas Abtreibungen de facto unmöglich gemacht. Selbst im Falle von Vergewaltigungen oder Inzest gibt es keine Ausnahme (hier erfahren Sie mehr dazu). Nun erhalten die Frauen Unterstützung aus einer unerwarteten Richtung: Eine satanistische Vereinigung will Abtreibungen durch die Hintertür möglich machen. Indem man sie zu einem religiösen Ritual erklärt.

Einen entsprechenden Antrag hatte die "Satanic Temple" (Tempel Satans) genannte Organisation diese Woche eingereicht. Die als Kirche eingetragene Organisation hatte beantragt, die beiden für Schwangerschaftsabbrüche genutzten Medikamente Mifepristone und Misoprostol einsetzen zu dürfen. Sie seien Teil eines "heiligen" Schwangerschaftsabbruchs-Rituals, argumentiert ein Anwalt der Organisation in dem Antrag. 

Neues Abtreibungsgesetz


In Texas kämpfen ultrarechte Ideologen gegen Frauen. Und die Verfassung

Abtreibung als Ritual

Dahinter steckt aber kein gruseliges Teufels-Ritual, sondern cleveres Kalkül: Die Argumentation zielt auf eine gesetzliche Ausnahmeregelung, die die Einnahme verbotener Substanzen zulässt, wenn sie Teil der religiösen Praxis sind. Sie wurde ursprünglich für den Einsatz des Meskalin-haltigen Peyote-Kaktus in Ritualen der amerikanischen Ureinwohner gewährt. 

"Der Kampf um das Recht auf Abtreibung ist in erster Linie ein Kampf um konkurrierende religiöse Weltanschauungen", erklärte Kirchen-Sprecher Lucien Greaves die Idee. "Und unsere Anschauung ist, dass ein nichtlebensfähiger Fötus Teil des schwangeren Körpers ist. Der ist glücklicherweise unter der religiösen Freiheit geschützt." Man sei bereit, jedem Mitglied zu helfen, welches "den tiefen Glauben in das eigene Recht zur Freiheit zur Fortpflanzung teilt", heißt es auf der Webseite des Tempels.

Satan als atheistisches Symbol

Trotz des abschreckenden Namens handelt es sich beim Temple of Satan keineswegs um Teufelsanbeter. Der Name ist als Ablehnung der organisierten Religion zu verstehen, die Satanisten verstehen sich in erster Linie als extreme Individualisten, zu deren wichtigsten Werten die strenge Trennung von Staat und Glauben und die Unterstützung der Wissenschaft gehören. Satan ist als Symbol für das Aufbegehren gegen die starke Religiosität der amerikanischen Gesellschaft zu verstehen. Okkultismus – zu dem ja auch ein Abtreibungsritual zu Ehren Satans gehören würde – lehnt die Kirche streng ab. 

Entsprechend genüsslich hielten die Satanisten auch den Befürwortern des Gesetzes den Spiegel vor. "Ich bin mir ganz sicher, dass der texanische Justizminister Ken Paxton – der für seine ausführlichen Pressestatements zu Fragen der religiösen Freiheit in anderen Staaten bekannt ist – sehr stolz sein wird, dass Texas' Gesetz zur religiösen Freiheit weitere Probleme beim Abhalten zukünftiger Abtreibungs-Rituale verhindern wird", führte Greaves aus. Die staatlichen Beschränkungen dienten nur dazu, Abtreibungswillige an den Pranger zu stellen und zu belästigen. 

Angst um das Recht auf Abtreibung

Die Debatte um das Recht auf Abtreibung wird in den USA seit Jahrzehnten geführt, die Intensität hatte in den letzten Jahren wieder zugenommen. Die Reaktionen auf das ultrarestriktive Gesetz in Texas fielen entsprechend heftig aus. Neben den harten Richtlinien für den Abbruch sorgten vor allem die hohen Strafen und ein "Kopfgeld" von 10.000 Dollar, das an Tippgeber zu erfolgten Abbrüchen gezahlt werden sollte, für Kritik. Zudem gibt. es Befürchtungen, dass andere Bundesstaaten dem Beispiel folgen könnten.

Quellen: Fortune, Huffington Post

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