Corona: Ausreichender Schlaf kann Covid-19 Schwerverlauf verhindern – Heilpraxis

Die Corona-Pandemie bringt auch für die Psyche eine große Herausforderung mit sich. Die enormen Einschränkungen und der Kontrollverlust macht Menschen zu schaffen und sorgt bei manchen für Schlafprobleme. Das bringt weitere Nachteile mit sich, denn Schlafmangel erhöht die Infektanfälligkeit. Fachleute erklären, warum eine gute Schlafhygiene auch eine Prävention gegen COVID-19 ist.

Gute Schlafhygiene ist eine Corona-Prävention

Schlafprobleme waren schon vor der Corona-Pandemie weit verbreitet. In der aktuellen Krise, die uns alle vor große Herausforderungen stellt und Ängste – seien es gesundheitliche oder existentielle – mit sich bringt, liegt die Vermutung nahe, dass noch viel mehr Menschen weltweit mit Schlafschwierigkeiten dazu gekommen sind. Dadurch erhöht sich auch die Infektanfälligkeit. Um Erkrankungen vorzubeugen ist es wichtig, für eine gute Schlafhygiene zu sorgen.

Höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe

„Schlafmangel erhöht die Anfälligkeit für Infektionen. Das wissen wir von anderen Viruserkrankungen. Möglicherweise ist er auch ein Risikofaktor für schwerere Erkrankungsverläufe“, erklärt Prof. Dr. Georg Nilius, Direktor der Klinik für Pneumologie der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte, in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Das spielt natürlich in der aktuellen Coronavirus-Pandemie eine Rolle. Denn es gibt Berufsgruppen, wie beispielsweise Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter und im medizinischen Sektor Tätige, die häufiger an Schlafmangel leiden und folglich anfälliger sind. Und nicht nur berufsbedingt bekommen zahlreiche Menschen zu wenig Schlaf. „Wer kann, sollte viel schlafen!“, so der generelle Rat von Professor Dr. Nilius, „Gerade in der jetzigen Zeit, zahlt es sich aus, besonders auf eine gute Schlafhygiene und Schlafqualität zu achten. Auch das ist eine Art von Prävention.“

Internationalen Studien zufolge gibt es Hinweise, dass Patientinnen und Patienten mit bestimmten schlafmedizinischen Störungen, insbesondere diejenigen mit Schlafapnoe, im Rahmen der Corona-Pandemie einem höheren Risiko ausgesetzt sind, zu erkranken beziehungsweise schwere Krankheitsverläufe zu entwickeln. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema sind notwendig. Die DGSM ist beteiligt an einer Untersuchung der Auswirkungen von COVID-19 und des Lockdown auf den Schlaf in der Allgemeinbevölkerung. Die „Internationale COVID-Schlafstudie“ findet gemeinsam mit mehreren Ländern statt. Dazu wird ein Fragebogen auf der Homepage angeboten und sehr herzlich um Beteiligung gebeten.

Schlafverhalten während der Corona-Pandemie

Aktuelle Studien zum Schlafverhalten während der Corona-Pandemie und des Lockdown fanden unter anderem heraus, dass sich die Diskrepanz zwischen dem sozialen Jetlag und unserem biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus verringert hat; also vereinfacht, dass die Menschen ihrem genetischen (natürlichen) Schlafbedürfnis entsprechender geschlafen haben. Zudem wurde festgestellt, dass sich die Schlafqualität verschlechtert hat, möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausprägung von Ängsten, depressiven Verstimmungen sowie fehlender körperlicher Aktivität. Frauen gaben dabei öfter an unter mentalen Verstimmungen zu leiden als Männer; Berufstätige gaben in den Untersuchungen am häufigsten an, mehr zu schlafen als vor der Pandemie und begründeten das mit flexibleren Arbeitsmodellen.

Sowohl positive als auch negative Entwicklungen

Berufstätige wurden durch COVID-19 vor neue Herausforderungen, wie zum Beispiel vermehrtes Home-Office, gestellt. Christina Saalwirth, Psychologin an der Universität der Bundeswehr München, untersuchte in einer Studie, welchen Einfluss Arbeitsstress, Home-Office, ein variabler Arbeitsbeginn und das Wohlbefinden auf den Schlaf in Corona-Zeiten haben und ob sich dieser im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie verändert hat. Alle Daten wurden mit einem Online-Fragebogen erhoben, den 320 berufstätige Teilnehmende, die keiner Schichtarbeit nachgingen, bearbeiteten (51,9 Prozent Männer, 48,1 Prozent Frauen; 19-68 Jahre).

20 beziehungsweise 13,7 Prozent der Teilnehmenden gaben an, seit COVID-19 schlechter beziehungsweise kürzer zu schlafen, elf beziehungsweise 24,7 Prozent gaben an besser beziehungsweise länger zu schlafen. Die längere Schlafdauer von fast einem Viertel der Befragten geht wahrscheinlich zum Teil auf vermehrtes Home-Office zurück. Berufstätige im Home-Office schlafen im Vergleich zur Zeit vor COVID-19 länger, weisen jedoch auch variablere Arbeitszeiten auf, welche wiederum mit einer schlechteren Schlafqualität verbunden sind. Die Veränderungen durch COVID-19 weisen im Hinblick auf den Schlaf also sowohl positive als auch negative Entwicklungen auf.

„Schlaf ist ein wichtiger, aber oft unterschätzter Gesundheitsfaktor, der durch COVID-19-bedingte Veränderungen des Alltags und Berufslebens beeinflusst wird. Gerade Home-Office, welches immerhin mehr als die Hälfte der Teilnehmer nutzte, birgt Chancen aber auch Risiken für unser Schlafverhalten, die weiter erforscht werden müssen“, fasst Frau Saalwirth erste Schlussfolgerungen zusammen. (ad)

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