Corona-Gipfel abgesagt – aber nun soll bundesweites Notbremsen-Gesetz kommen

Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie: NRW-Ministerpräsident Laschet fordert einen „Brücken-Lockdown“ im Kampf gegen die dritte Welle,  auch die Kanzlerin spricht sich für einen kurzen, einheitlichen Lockdown aus. Die Ministerpräsidentenkonferenz am Montag wurde abgesagt. Alle aktuellen Corona-News finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona in Deutschland vom 10. April

Corona-News im Überblick:

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Müller: Änderung des Infektionsschutzgesetzes könnte bis zu zwei Wochen dauern

10.16 Uhr: Der neue Prozess zur Nachschärfung des Infektionsschutzgesetzes könnte aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) bis zu zwei Wochen dauern. "Ich gehe schon davon aus, dass innerhalb der nächsten 10, 14 Tage wir das gemeinsam – Bundestag und Bundesrat – auch bewältigen werden und dass wir damit dann auch einen Rahmen haben, mit dem wir alle gemeinsam gut arbeiten können", sagte Müller am Freitagabend im ZDF-"Heute Journal". Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich ebenfalls am Freitag noch zuversichtlich geäußert, die Änderungen auch innerhalb einer Woche umsetzen zu können.

Müller äußerte sich dahingehend zurückhaltend. "Wenn sich im Bundestag die Situation so darstellt, dass man wirklich schnell dort auch zu einem Ergebnis kommt, geht es sicherlich auch schneller", betonte er. Aber auch der Bundesrat müsse noch beschließen. Die Änderung solle schon in der kommenden Woche vom Kabinett beschlossen werden. Dessen Sitzung werde von Mittwoch auf Dienstag vorgezogen.

Müller befürwortete den Vorstoß, betonte aber, dass einige Themen, etwa im Bildungsbereich, weiterhin in der Verantwortung der Bundesländer blieben.

Steigende Corona-Zahlen: Thüringen reißt erneut 200er-Inzidenz

09.08 Uhr: In Thüringen liegt der Sieben-Tage-Wert bei Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner wieder über 200. In der Woche nach Ostern war der Infektionswert kurzzeitig unter die 200er Marke gesunken, am Samstag lag die Zahl laut Robert Koch-Institut (RKI) jedoch bei 206,3. Der Freistaat ist schon seit langem deutschlandweit das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland. Bundesweit lag der Inzidenzwert am Samstag bei 120,6 (Stand: 10. April, 3.08 Uhr).

Thüringen ist zurzeit das einzige Bundesland, in dem die Corona-Inzidenz über 200 liegt. Besonders hoch ist der Inzidenzwert auch in Sachen (182,0) sowie in Sachsen-Anhalt (146,0). Am niedrigsten ist der Inzidenzwert derzeit in Schleswig-Holstein (65,8).

Das RKI weist darauf hin, dass rund um die Osterfeiertage meist weniger Tests gemacht und gemeldet wurden und dass weniger Menschen einen Arzt aufsuchten. Dies könne die Inzidenzwerte beeinflussen.

Von Freitag auf Samstag wurden in Thüringen 1098 neue Infektionen gemeldet sowie 25 weitere Todesfälle. Seit Ausbruch der Pandemie wurden damit rund 101.500 Infektionen nachgewiesen; 3479 Menschen, bei denen das Sars-CoV-2-Virus nachgewiesen wurde, starben.

Charité besorgt über steigende Patientenzahlen

08.17 Uhr: Die Berliner Charité betrachtet mit großer Sorge die Entwicklungen in der dritten Pandemie-Welle. "Wenn die Anzahl schwer kranker Covid-Patienten die zweite Welle übertrifft, kommen wir in eine kritische Situation", sagte Martin Kreis, Vorstand für die Krankenversorgung in Deutschlands größter Uniklinik. Anfang des Jahres sei an der Charité durch die hohe Zahl an schweren Covid-Fällen auf Intensivstationen eine absolute Grenzbelastung erreicht gewesen. So habe die Klinik im Januar nicht alle Patienten aus bereits überlasteten Kliniken anderer Bundesländern aufnehmen können. Sie selbst habe aber keine Corona-Kranken in andere Bundesländer verlegen müssen. "Wir werden weiter alles daran setzen, Patienten aus der Region auch in Berlin zu versorgen", sagte Kreis.

Foto: dpa Die Berliner Charité betrachtet mit großer Sorge die Entwicklungen auf den Intensivstationen.  

Scholz pocht auf Testangebot-Pflicht in Unternehmen

07.41 Uhr: Vizekanzler Olaf Scholz bekräftigt seine Forderung nach einer Testpflicht in den Betrieben. "Nur sechs von zehn Beschäftigten erhalten bislang ein Angebot ihres Arbeitgebers, sich regelmäßig testen zu lassen", sagt der SPD-Kanzlerkandidat der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Das ist deutlich zu wenig, unsere Vereinbarung zielte auf eine Testquote von 90 Prozent." Deshalb sei die Zeit der Appelle vorüber. "Wir müssen die Unternehmen verbindlich dazu verpflichten, ihren Beschäftigten ein Testangebot zu machen. Das sollte Bestandteil unserer Corona-Beschlüsse in der kommenden Woche sein."

Mehr Homeoffice, der Einsatz von medizinischen Masken und umfangreiches Testen, darauf seien viele Unternehmen in der Pandemie auch von selbst gekommen, erstaunlicherweise aber nicht alle, so der Finanzminister. "Das könnte man auch als nationale Pflicht begreifen. Es gibt Dinge, die man einfach tut, weil es sich gehört." Man könne eine Pandemie nicht bekämpfen, wenn jeder als Erstes nach einer Entschädigung frage.

Foto: dpa Finanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD).  

RKI registriert 24.097 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz liegt bei 120,6

07.15 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 24.097 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 246 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Samstagmorgen hervor. Wegen der Feiertage und der Schulferien könnten die Corona-Zahlen des RKI noch nicht vergleichbar mit den Werten vor Ostern sein. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 18.129 Neuinfektionen und 120 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Samstagmorgen bundesweit bei 120,6. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 03.08 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. 

Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 110,4 an, vor einer Woche lag sie noch bei über 130. Der Inzidenzwert ist momentan noch mit Vorsicht zu genießen und dürfte wegen weniger Tests und Meldungen über Ostern zu niedrig ausfallen. Das RKI erwartet, dass der Inzidenz-Wert im Laufe der kommenden Woche wieder belastbar sein wird.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.980.413 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.661.500 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 78.249.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Freitagabend bei 0,90 (Vortag: 0,80). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 90 weitere Menschen anstecken. "Der 7-Tage-R- Wert liegt derzeit unter 1, wobei der Einfluss der Osterfeiertage zu beachten ist", schreibt das RKI. Die Werte könnten erst in einigen Tagen bewertet werden. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Weltärztechef warnt: "Mit Sicherheit wird die Triage wieder im Raum stehen"

07.07 Uhr: Angesichts steigender Patientenzahlen in der dritten Corona-Welle hat der Vorsitzende des Weltärztebundes vor einer Zuspitzung der Lage in den deutschen Krankenhäusern gewarnt. "Wir werden in den Kliniken jetzt eingeholt von den Infektionen, die vor vier Wochen stattgefunden haben", sagte Frank Ulrich Montgomery der "Passauer Neuen Presse" (Samstag).

Auch die Triage werde "mit Sicherheit" wieder im Raum stehen. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. "Wir waren sehr dankbar, dass sie in den ersten beiden Wellen nicht gebraucht wurde. Es ist vorstellbar, dass es zu Situationen kommt, in denen sie angewendet wird." Es sei deshalb richtig, dass sich die Kliniken auf einen Ansturm einstellen, sagte Montgomery. dpa/Guido Kirchner/dpa Frank Ulrich Montgomery beim Deutschen Ärztetag 2019.

Europas größte Uniklinik, die Berliner Charité, hatte angekündigt, in der kommenden Woche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder vermehrt in Covid-19-Bereichen einzusetzen und planbare Eingriffe zurückzufahren.

Mediziner kritisieren Gipfel-Absage: "Ist mir unverständlich"

Samstag, 10. April, 07.03 Uhr: Prof. Friedemann Weber, Virologe an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sieht die Absage des Corona-Gipfels als verpasste Chance, schnell und entschlossen zu handeln, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen. "Warum jetzt noch gewartet wird, ist mir unverständlich", sagte der Mediziner am Freitag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Je später die Verschärfung der Maßnahmen verordnet wird, desto länger wird der Lockdown dauern."

Auch der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs von der Berliner Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften bezeichnete die Absage des Corona-Gipfels als "sehr bedauerlich". „"Es ist zu befürchten, dass sich nun weiterhin nichts tun wird bezüglich eines dringend erforderlichen harten Lockdowns, um die dritte Welle zu brechen", sagte er dem RND. Es zähle jeder Tag, jede Stunde. "Jede Zeitverzögerung bei der Einleitung harter Lockdownmaßnahmen bewirkt mehr Infizierte, mehr (auch intensivmedizinische) Covid-19-Kranke und mehr Corona-Tote."

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