Corona-Krise: Können wir etwas von der Spanischen Grippe lernen? – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Lektionen aus der Spanischen Grippe

Großveranstaltungen werden abgesagt, Restaurants und zahlreiche Geschäfte geschlossen. Der Staat ordnet soziale Distanzierung an, um die Verbreitung von COVID-19 zu verlangsamen. Doch sind diese strikten und frühzeitigen Maßnahmen wirklich wirksam und notwendig, um die Ausbreitung eines Seuchenausbruchs zu minimieren? Hier können wir von der Spanischen Grippe lernen, die im Jahr 1918 bis 1919 über ein Fünftel der Weltbevölkerung infizierte und 50 Millionen Menschen tötete.

Professor Dr. med. Stefan E. Pambuccian ist Zytologe am Loyola University Medical Center in Illinois, USA. Der Pathologe und stellvertretende Vorsitzende der Abteilung für Pathologie und Labormedizin an der Loyola University Chicago untersuchte Daten aus drei Studien, die sich mit der Spanischen Grippe von 1918 bis 1919 befassen, um daraus mögliche Lehren für die derzeitige Coronavirus-Pandemie abzuleiten. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem „Journal of the American Society of Cytopathology“ vorgestellt.

Krankheitsraten konnten um bis 50 Prozent gesenkt werden

Aus den Daten zur Spanischen Grippe geht hervor, dass Städte, die frühzeitige, umfassende Isolations- und Präventionsmaßnahmen ergriffen – wie beispielsweise Schließung von Schulen und Kirchen, Verbot von Massenversammlungen, vorgeschriebenes Maskentragen, Fallisolierung sowie Desinfektions- und Hygienemaßnahmen – niedrigere Krankheits- und Sterblichkeitsraten vorwiesen.

Zu diesen Städten gehörten beispielsweise in den USA San Francisco, St. Louis, Milwaukee und Kansas City. Hier konnte sowohl die Krankheits- als auch die Sterblichkeitsraten um 30 bis 50 Prozent gesenkt werden gegenüber Städten, die weniger Einschränkungen erließen. Zudem zeigt die aktuelle Analyse der Daten, dass in diesen Städten auch größere Verzögerungen beim Erreichen des Mortalitätshöchststandes erzielt werden konnten, wodurch es insgesamt zu einer geringeren Gesamtmortalitätsbelastung kam.

Mehr Isolation = weniger Sterblichkeit?

„Je strenger die Isolationspolitik, desto niedriger die Sterblichkeitsrate“, erläutert Dr. Pambuccian in einer Pressemitteilung zu der Analyse. Er betont auch, dass nicht jeder in den Jahren 1918 und 1919 die strengen Maßnahmen für angemessen oder wirksam hielt. „Es gab Skepsis, dass diese Maßnahmen tatsächlich funktionierten“, so der Pathologe. „Aber sie haben offensichtlich einen Unterschied gemacht.“ Schätzungen zufolge sind rund 675.000 Menschen in den USA an der Spanischen Grippe gestorben. Weltweit waren es rund 50 Millionen.

Man muss Abstriche an der Übertragbarkeit machen

Eins zu eins könne man die Ergebnisse von damals jedoch nicht auf die heutige Zeit übertragen, räumt Dr. Pambuccian ein. Immerhin sei die Welt ein ganz anderer Ort gewesen. So herrschten immer noch die Auswirkungen des ersten Weltkrieges, Kasernen waren überfüllt, viele Menschen lebten in Armut mit „schlechter Ernährung, schlechter Hygiene, Überfüllung der Haushalte und Gemeinden.” Zudem wären die Bevölkerung und die Entscheidungsträger aufgrund kognitiver Trägheit und schlechter medizinischer und pflegerischer Versorgung schlecht vorbereitet gewesen.

„Obwohl die Welt ein ganz anderer Ort ist als vor 100 Jahren, gibt uns die Wirksamkeit der während der Pandemie von 1918-19 eingeführten Maßnahmen Hoffnung, dass die aktuellen Maßnahmen auch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie begrenzen werden“, resümiert der Professor. (vb)

Alles über die Spanische Grippe erfahren Sie in dem Artikel: Spanische Grippe – Historie, Ursachen und Symptome.

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