COVID-19: Bei niedrigen Temperaturen mehr Infektionen – Heilpraxis

Infektionszahlen steigen bei niedrigen Außentemperaturen

Ein Zusammenhang zwischen den Außentemperaturen und den Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 scheint angesichts des bisherigen Verlaufs der Pandemie in Deutschland offensichtlich, doch war beispielsweise in den USA vor allem in den Sommermonaten 2020 ein deutlicher Anstieg der Infektionszahlen zu beobachten. In einer aktuellen Studie wurde nun allerdings bestätigt, dass mit sinkenden Temperaturen die COVID-19-Fälle tendenziell steigen.

Ein Forschungsteam der University of Louisville, der Johns Hopkins University School of Medicine und des U.S. Department of Defense Joint Artificial Intelligence Center ist der Frage nachgegangen, ob die atmosphärische Temperatur die Übertragung von SARS-CoV-2 beeinflusst. Dabei zeigte sich ein eindeutiger statischer Zusammenhang zwischen den Infektionszahlen und der Außentemperatur. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in dem Fachmagazin „PLOS ONE“.

Andere Coronavirus-Infektionen eher saisonal

SARS-CoV-2 gehört zu einer großen Familie humaner Coronaviren, von denen die meisten durch eine erhöhte Übertragung in kühleren, weniger feuchten Monaten und eine verringerte Übertragung in wärmeren, feuchteren Monaten gekennzeichnet sind, erläutern die Forschenden. Inwiefern sich das neue Coronavirus hier ähnlich verhält, wie seine Verwandten, blieb bisher allerdings unklar.

Steigende Infektionen bei sinkenden Temperaturen

Im Rahmen der aktuellen Studie analysierte das Team um Dr. Adam Kaplin von der Johns Hopkins University die täglichen Tiefsttemperaturen und die SARS-CoV-2-Infektionsraten in 50 Ländern der nördlichen Hemisphäre, um mögliche Zusammenhänge aufzudecken. Die Datenanalyse zeigte, dass bei Temperaturen zwischen 30 und 100 Grad Fahrenheit (-1,1 Grad Celsius bis 37,8 Grad Celsius) ein Rückgang der täglichen Tiefsttemperatur um ein Grad Fahrenheit (ca. 0,56 Grad Celsius) mit einem Anstieg der Rate der COVID-19-Fälle um 3,7 Prozent verbunden war, berichtet das Forschungsteam.

Gebremstes Infektionsgeschehen im Sommer

Obwohl es sich bei COVID-19 um eine Infektionskrankheit handelt, deren Übertragung an sich nicht temperaturabhängig ist, deuten unsere Untersuchungen darauf hin, dass es auch eine saisonale Komponente gibt, so Co-Autor Dr. Aruni Bhatnagar von der University of Louisville School of Medicine. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Sommermonate mit einem verlangsamten COVID-19-Infektionsgeschehen verbunden sind. Zwar war in den Vereinigten Staaten im Sommer 2020 ein starker Anstieg der COVID-19-Fälle zu beobachten, aber das Forschungsteam betont, dass kühlere Sommertemperaturen zu einer noch höheren Zahl von Fällen geführt hätten.

Wichtiger Faktor zur Vorhersage

Der saisonale Effekt kann laut Aussage der Forschenden für ein Wiederauftreten des Virus verantwortlich, aber auch für die Planung von Maßnahmen nützlich sein. „Das Verständnis der Temperatursensitivität von SARS-CoV-2 hat wichtige Implikationen für die Vorhersage des Verlaufs der Pandemie”, betont der Dr. Adam Kaplin. Dieses Verständnis der Auswirkungen von saisonalen Temperaturschwankungen auf die Übertragung des Virus sei ein wichtiger Faktor, um die Ausbreitung des Virus in den kommenden Jahren einzudämmen, betonen die Forschenden.

„Wir wissen nicht, wie lange die derzeit verfügbaren Impfstoffe ihren Nutzen aufrechterhalten werden und wie hoch das Risiko ist, dass sich im Laufe der Zeit neue Varianten entwickeln, wenn die nördliche und die südliche Hemisphäre aufgrund ihrer entgegengesetzten Jahreszeiten COVID-19 weiterhin über den Äquator hin und her austauschen“, so Dr. Kaplin. Die aktuelle Forschung deute darauf hin, dass sich SARS-CoV-2, wie andere saisonale Viren, als extrem schwierig einzudämmen erweisen könnte, wenn es keine konzertierten und gemeinschaftlichen globalen Anstrengungen gibt. (fp)

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