COVID-19: Wirkstoff zum Inhalieren soll Behandlung schwerer Erkrankungen ermöglichen – Heilpraxis

Durchbruch bei Behandlung schwerer COVID-19-Fälle?

Fachleute der MedUni Wien waren mit an der Entwicklung eines neuen Medikaments beteiligt, welches schwere Lungenschäden bei COVID-19 verhindern könnte. Der Leiter der Abteilung für Immunpathologie am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien, Professor Dr. Rudolf Valenta, berichtet über die neuartige Therapieoption bei einer schweren Erkrankung durch COVID-19.

Es gibt mittlerweile verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus, welche eine Bekämpfung und Eindämmung der Pandemie ermöglichen sollen. Wenn es allerdings um Arzneimittel geht, welche speziell gegen eine aktiv vorliegende Corona-Erkrankung helfen, gibt es nur eine sehr geringe Auswahl. Unter Mitarbeit von Forschenden der MedUni Wien wurde jetzt ein Medikament entwickelt, welches durch Inhalation schwere Lungenschäden bei einer Erkrankung an COVID-19 verhindern soll. Die Studie wurde in dem englischsprachigen Fachblatt „European Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Was tun bei schweren COVID-19-Verläufen?

„Derzeit gibt es medikamentös eigentlich nur den Antikörper-Mix von Regeneron, bestehend aus zwei Antikörpern, und den Einsatz von Blutplasma. Dabei unterstützen Antikörper aus dem Blut von Menschen, die eine COVID-19-Infektion durchgemacht haben, die Therapie“, berichtet Professor Dr. Rudolf Valenta.

Die Fachleute haben jetzt aber ein neues Arzneimittel entwickelt, welches bereits in einem Tiermodell erfolgreich getestet wurde. Derzeit befindet sich das Medikament nach Angaben von Rudolf Valenta am Anfang von Studien-Phase II.

Wie wirkt das neue Medikament?

Das Arzneimittel verwendet eine Kombination aus Ribonukleinsäure mit einem Trägerpeptid, wodurch es möglich ist, den Arzneistoff gezielt in infizierte Zellen einzubringen, was eine Vermehrung des Virus unterbinden kann. In die Ribonukleinsäure ist eine Schutzmechanismus eingebunden, der verhindert, dass das Medikament sofort wieder abgebaut wird, wodurch es keine Wirkung zeigen würde, berichtet der Mediziner.

Medikament kann wie Asthma-Spray inhaliert werden

„Es handelt sich dabei um eine Flüssigkeit, die ähnlich wie bei einem Asthma-Spray inhaliert werden kann“, erläutert der Fachmann in einer Pressemitteilung der MedUni Wien. Das Spray hat lediglich eine sogenannte Halbwertszeit unter 60 Minuten. Dies macht es nötig, dass es mehrfach pro Tag angewendet werden muss.

Wirkstoff kann schwere Lungenschäden verhindern

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass der Wirkstoff schwere Lungenschäden verhindert und schwere Verläufe von COVID-19 verlangsamt. So könnte das neue Medikament nach Ansicht von Valenta verhindern, dass Menschen, welche intensive Behandlung aufgrund von COVID-19 benötigen, beatmet werden müssen, wie es zur Zeit noch der Fall ist. Dies ist laut dem Experten darauf zurückzuführen, dass die Lunge am häufigsten von der Erkrankung betroffen ist.

Basis war die Forschung von Nobelpreisträgern

Das neue auf der Ribonukleinsäure (RNA)-basierende Medikament lässt sich auf die Forschungen der beiden Medizin-Nobelpreisträger aus dem Jahr 2006 zurückführen, Craig Mellow und Andrew Fire. Sie hatten zusammen die sogenannt RNA-Interferenz identifiziert. Diese führt dazu, dass bestimmte Gene in sogenannten eukaryotischen Zellen, also Zellen mit Kern, ein- oder ausgeschaltet werden, erläutern die Fachleute der MedUni Wien. (as)

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