Die geheimen Luxus-Restaurants von Paris: „Wenn Sie hier einmal durch die Tür sind, gibt es kein Covid“

Skurriler Restaurant-Skandal in Frankreich: Speisten französische Minister während des Corona-Lockdowns in geheimen Luxus-Restaurants? Eine TV-Reportage legt das nahe. Jetzt ermittelt die Polizei.

Kurz nach dem Inkrafttreten eines erneuten landesweiten Corona-Lockdown in Frankreich treibt ein Medienbericht das Land um, wonach französische Minister unter Missachtung der Corona-Restriktionen an geheimen Abendessen teilgenommen haben. Frankreichs Staatsanwalt Rémy Heitz teilte am Sonntagabend mit, dass er die Polizei in der Sache mit Ermittlungen unter anderem wegen „Gefährdung anderer“ beauftragt habe.

Mit der Kamera im Untergrund

Der private Fernsehsender M6 hatte am Freitagabend eine mit versteckter Kamera aufgenommene Reportage ausgestrahlt. Gefilmt wurde demnach in einem schicken Pariser Viertel in einem „Untergrund-Restaurant“, in dem weder die Bedienungen noch die Gäste Masken trugen und die Abstandsregeln einhielten.

„Menschen, die hierher kommen, nehmen ihre Masken ab“, sagt ein unkenntlich gemachter Mitarbeiter. „Wenn Sie hier einmal durch die Tür sind, gibt es kein Covid“. Der Bericht zeigt außerdem ein Fest in einem edlen Etablissement, bei dem die Menschen ebenfalls keine Masken tragen und keine Abstandsregeln einhalten.

„Man macht, was man will“

Wegen der Corona-Krise sind die Restaurants und Bars in Frankreich bereits seit Ende Oktober geschlossen. In dem Beitrag sagt ein als „Sammler“ bezeichneter Mann, der nicht gezeigt wird: „Ich habe diese Woche in zwei oder drei Restaurants, die als Untergrund-Restaurants bezeichnet werden, mit einer gewissen Anzahl an Ministern zu Abend gegessen.“ Darüber müsse er lachen. „Wir sind eine Demokratie. Man macht, was man will“, sagte der Befragte.

Staatsanwalt Heitz erklärte, die Polizei solle prüfen, „ob Abende unter Missachtung der Gesundheitsregeln organisiert“ worden seien. Auch die „eventuellen Organisatoren und Teilnehmer“ sollten ermittelt werden. Außer um den Vorwurf der Gefährdung anderer geht es in den Ermittlungen auch um mutmaßliche Schwarzarbeit.

„Ich glaube daran keine Sekunde“

Regierungssprecher Gabriel Attal wies den Bericht zurück. „Ich glaube daran keine Sekunde“, sagte er. Die Regierungsmitglieder hätten die Pflicht, „vollkommen untadelig und vorbildlich“ zu sein. „Alle Minister, ohne Ausnahme, beachten die Regeln“, versicherte auch Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. 

Innenminister Gerald Darmain betonte, die Regeln seien „für alle gleich“. Menschen in reichen Wohngegenden dürften keine Vorzugsbehandlung bekommen. „Es gibt keine zwei Arten von Bürgern mit denen, die Party machen dürfen, und denen, die nicht das Recht haben.“

Die Innen-Staatssekretärin Marlène Schiappa legte allerdings nicht ausdrücklich ihre Hand für ihre Kabinettskollegen ins Feuer. Wenn Minister oder Abgeordnete an solchen heimlichen Abendessen teilgenommen hätten, müssten sie „genauso bestraft werden wie jeder andere Bürger“, erklärte sie. Auf die Forderung einer Twitter-Nutzerin, Minister müssten bei solchen Regelverletzungen „ruckzuck“ ihren Posten räumen, entgegnete Schiappa in dem Onlinedienst: „Das versteht sich von selbst. mit einer Strafe.“

„Wir wollen die Namen“

Über den Enthüllungsbericht wurde am Sonntag ausgiebig auf Twitter diskutiert. Dabei wurde unter dem Schlagwort #Onveutlesnoms (Wir wollen die Namen) gefordert, die mutmaßlichen Beteiligten zur Verantwortung zu ziehen.

Frankreich ächzt derzeit unter der dritten Corona-Welle und den damit verbundenen Einschränkungen. Am Samstag trat bereits zum dritten Mal ein landesweiter Lockdown in Kraft.

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