„E-Rezept-Nutzen zeigt sich bei der Nutzung“

Im Zuge des E-Rezept-Förderprogramms der E-Rezept-Enthusiasten werden nicht nur Willige finanziell gefördert, sondern es wird auch eine wissenschaftliche Begleitstudie durchgeführt. Die Zwischenergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Expopharm vorgestellt.

Seit Ende Juni läuft das Förderprogramm der E-Rezept-Enthusiasten. Teilnehmen können Ärzt:innen und Apotheker:innen, die das E-Rezept bereits in die Regelversorgung eingeführt haben und bereit sind, an der wissenschaftlichen Begleitstudie der OTH Amberg/Weiden teilzunehmen und ihre Erfahrungen dort zu teilen. Ziel der Studie ist es, möglichst viele Erkenntnisse vonseiten der Arztpraxen, Apotheken und Patient:innen zu gewinnen, um etwaige Stolpersteine in der täglichen Umsetzung zu evaluieren, auszuwerten und beseitigen zu können. 

Seit dem Start des Programms wurde mit der Auswertung von insgesamt 179 Fragebögen begonnen, 97 wurden beendet. 93 Befragungen erfüllen die Gültigkeitsbedingungen, das heißt: 93 Teilnehmer:innen qualifizierten sich für die Förderung. Von den 93 gültigen Befragungen stammten 71 aus Arztpraxen, 22 aus Apotheken. Die Arztpraxen stellten durchschnittlich 317 E-Rezepte innerhalb von zwei Wochen aus (Mittelwert). Bei den befragten Apotheken wurden innerhalb der zwei Wochen des Förderprogramms im Mittelwert 335 E-Rezepte eingelöst. Die Mehrheit der Praxen gab an, die Apotheken zu kennen, in denen die ausgestellten Rezepte landen würden. Die Apotheken gaben sogar durchweg an, die ausstellenden Arztpraxen zu kennen.

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Der 1. Vorsitzende der E-Rezept-Enthusiasten Ralf König und Professor Steffen Hamm von der OTH Amberg-Weiden stellten bei einer Pressekonferenz, die am Rande der Expopharm in München stattfand, das Zwischenergebnis vor.

Apotheker schulungsbereiter

Die Befragung der Arztpraxen und Apotheken erfolgte in den drei Oberkategorien Struktur, Ablauf und Ergebnisse in der Anwendung des E-Rezeptes. Die Schaffung der notwendigen Hardware- und Software-Infrastruktur verlief demnach bei den Befragten problemlos, oft in Eigenregie. Vor allem die Apotheken gaben aber an, sich externe Unterstützung geholt zu haben. Informationen zu den Abläufen wurden vor allem bei den Software-Providern online eingeholt. Auffällig war dabei in den Augen der Enthusiasten, dass bei den Apotheken die Schulungsbereitschaft deutlich höher war als bei den Arztpraxen. Der Austausch zwischen den Teilnehmern erfolgte meist bilateral. Allerdings hätten sich viele mehr Transparenz hinsichtlich der Existenz möglicher „Partner“ gewünscht.

Kassen und Politik müssen aufklären

Eingereicht wurden die meisten E-Rezepte in Papierform, hinsichtlich prozessualer Veränderungen in den Praxen/Apotheken lässt sich der Auswertung bisher kein einheitliches Bild zeichnen. Was die Aufklärung der Patient:innen betrifft, gehen die Meinungen zwischen Ärzt:innen und Apotheker:innen auseinander. Während erstere diese Aufgabe eher bei anderen sehen, zum Beispiel bei den Krankenkassen oder beim Bundesgesundheitsministerium, sehen die Pharmazeut:innen sich vor allem selbst in der Pflicht. Die E-Rezept-Enthusiasten halten dies allerdings auch nicht für eine alleinige Aufgabe der Leistungserbringer. Die Kassen und die Politik müssen in ihren Augen hier unbedingt nachbessern. Überhaupt halten sie die fehlende Kommunikation für das größte Versäumnis bei der E-Rezept-Einführung – und zwar in alle Richtungen. So sei weder den Patient:innen noch den Leistungserbringer:innen der Nutzen kommuniziert worden. 

Die Teams in den Apotheken und Praxen sind der Auswertung zufolge überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden oder mindestens neutral gegenüber dem E-Rezept eingestellt. Ein Großteil der Praxen will künftig nur noch E-Rezepte ausstellen – in Zukunft auch papierlos mittels eGK oder über die App. 

Das unterstreiche, was König auch in seiner täglichen Praxis sieht – der Apotheker unterstützt derzeit zahlreiche Arztpraxen bei der Einführung: „Nutzen kommt durch Nutzung.“ Es mache einen großen Unterschied, ob eine Praxis mal ein E-Rezept ausstellt beziehungsweise eine Apotheke mal eins beliefert oder ob E-Rezepte in der Regelversorgung zum Einsatz kommen. 

Wechsel des Softwareanbieters in Erwägung ziehen

Laut König gibt es aber auch große Unterschiede in Bezug auf die E-Rezept-Funktionalität bei den jeweiligen Primärsystemen. Er rät den Kolleg:innen, die Probleme haben, sich einmal umzusehen. „Man kann sich ja auch nicht nur beschweren, dass es klappert, wenn man mit einem Trabbi über die Autobahn fährt. Dann muss man vielleicht darüber nachdenken, ob man nicht ein neues Auto braucht.“

König ist zudem der Meinung, dass die Übertragung der E-Rezepte mittels elektronischer Gesundheitskarte den Apotheken eine große Chance bietet, die aber zu wenig kommuniziert wird: Im Regelfall befindet sich nämlich auf der Karte auch der Medikationsplan, wenn vorhanden. Wenn die eGK in der Apotheke zu E-Rezept-Abruf gesteckt werde, könnte die Apotheke das mit einem Update des Medikationsplans verbinden. Aktuell gebe es hier noch die Hürde, dass der Patient zur Freigabe des Medikationsplans eine PIN benötigt. Nach einmaligen Abruf kann dann einem Zugang ohne PIN zugestimmt werden. Königs Wunsch wäre hier, dass eine Freigabe ohne PIN voreingestellt wird, wenn gewünscht könne er dann nachträglich eingerichtet werden. Diese niedrigschwellige Nutzungsmöglichkeit des Medikationsplans würde die Nutzung des E-Rezepts in andere Dimensionen von Patientennutzen bringen, so König. 

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