Erstmals mehr als 60.000 Corona-Neuinfektionen – Hospitalisierungs-Rate steigt deutlich an

Die Firma Novavax hat eine EU-Zulassung für Totimpfstoff beantragt. In Bayern rufen die ersten Hotspot-Kliniken den Notstand aus. Außerdem gibt es einen großen Rückstand bei den Booster-Impfungen. Alle aktuellen News zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona vom 18. November

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Erstmals mehr als 60.000 Corona-Neuinfektionen – Hospitalisierungs-Rate steigt deutlich an

06.03 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist stark angestiegen und hat erstmals in der Corona-Pandemie den Wert von 60.000 überschritten. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages den Höchstwert von 65.371 Corona-Neuinfektionen. Vor exakt einer Woche waren erstmals mehr 50.000 Neuinfektionen pro Tag gezählt worden.

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen schwankt innerhalb des Wochenverlaufes stark. Die 7-Tage Inzidenz gab das RKI mit 336,9 an – ebenfalls ein Höchststand. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 319,5 gelegen, vor einer Woche bei 249,1 (Vormonat: 74,4) gelegen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03.53 Uhr wiedergeben.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 264 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 235 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.195.321 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin (r) intubieren einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Mittwoch mit 5,15 an (Dienstag: 4,86). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.564.200 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 98 538.

Kassenärzte-Chef Gassen: "Gibt noch ausreichend Reserven in den Kliniken"

Donnerstag, 18. November, 5.51 Uhr: In der Debatte um die aktuelle Pandemie-Lage hat Kassenärzte-Chef Andreas Gassen vor Panik, Hysterie und Stimmungsmache gewarnt und das Auslaufen der Pandemie-Notlage verteidigt.  „Die Lage ist schwierig, aber für Panik besteht kein Anlass“, sagte Gassen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag).  „Insbesondere von einigen Politikern und Experten wird versucht, die Ampel-Parteien mit düsteren Szenarien und fast schon hysterischen anmutenden Warnungen, extrem unter Druck zu setzen“, sagte er und fügte hinzu: „Da wird Stimmungsmache betrieben. Das erinnert ein wenig an den letzten Winter.“ Bisher hätten SPD, Grüne und FDP aber kühlen Kopf bewiesen. Gassen: „Es bleibt richtig, die pandemische Notlage aufzuheben, weil die Regelungen nicht länger vor Gerichten standgehalten hätten.“ Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa

Gassen betonte, die Krankenhäuser seien ebenso wie die Praxen seit Monaten stark belastet, was insbesondere für das Personal strapazierend sei. „Es besteht aber derzeit wohl nicht die Gefahr, dass die Kliniken in Ihrer Gesamtheit an ihre Leistungsgrenze stoßen.“ Die Belegungszahlen seien nach wie vor niedriger als zum Höhepunkt der dritten Welle. „Es gibt insgesamt noch ausreichend Reserven“, sagte er. „Wenn die Krankenhäuser jetzt wieder planbare Operation verschieben, dann ist das eine reine Vorsichtsmaßnahme, um mehr freie Betten bereit zu stellen“, fügte er hinzu. „Das ist auch sinnvoll, auch wenn es nicht das ist, was wir uns wünschen.“

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) warf der Politik vor, mit dem Angebot für Auffrischimpfungen für alle Altersgruppen für Chaos zu sorgen. „Die Politik hat mit ihrer Aufforderung, dass sich nun alle Altersgruppen boostern lassen sollten, geradezu für Panik in der Bevölkerung gesorgt“, sagte er dem RND. Teilweise würden die Praxen von Menschen, die sich boostern lassen wollten, regelrecht überrannt.

Wegen steigender Corona-Zahlen führt Schweden ab 1. Dezember Impfpass ein

22.35 Uhr: Angesichts steigender Corona-Zahlen in Europa führt Schweden ab 1. Dezember einen Corona-Impfpass ein. Dieser gilt vorerst für öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als hundert Teilnehmern, wie die Regierung am Mittwoch mitteilte. Im Vergleich zu den umliegenden Ländern hat Schweden zuletzt geringe Infektionsraten gemeldet.

Das Land rechne im Winter jedoch mit einem Anstieg der Fälle und sei "nicht vom Rest der Welt isoliert", sagte Gesundheitsministerin Lena Hallengren. Der Impfpass wird bei Veranstaltungen wie Konzerten, Theatern und Sportereignissen verlangt, nicht aber in Restaurants und Bars. Für Veranstalter, die den Ausweis nicht verlangen, sollen andere strenge Beschränkungen in Bezug auf die Anzahl der Besucher und die Abstandsregeln gelten. 

In der Anfangsphase der Pandemie zeichnete sich Schweden durch einen Sonderweg aus: Statt harter Beschränkungen sprach die Regierung in Stockholm nur Empfehlungen aus. Ende September wurden dann alle Beschränkungen wegen der hohen Impfquote aufgehoben. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde sind inzwischen 82 Prozent der über 16-Jährigen im Land geimpft. 

Söder findet Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte "absolut sinnvoll"

21.47 Uhr: Zum Brechen der vierten Corona-Welle braucht es aus der Sicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder strengere Regeln für Ungeimpfte. Angesichts der Lage seien Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte absolut sinnvoll, sagte der CSU-Chef am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Maischberger. Die Woche". Bayern werde die rechtlichen Möglichkeiten, die das neue Bundesgesetz gebe, voll ausschöpfen. Sven Hoppe/dpa Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.

An diesem Donnerstag soll der Bundestag Gesetzespläne von SPD, FDP und Grünen zur Bekämpfung der Pandemie beschließen. Söder beklagte erneut, dass die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstagnachmittag erst nach dem Gesetzesbeschluss im Bundestag zusammenkommen werde. Die Länder könnten somit anders als bei früheren Konferenzen von Bund und Ländern nicht mehr auf das Gesetzesverfahren einwirken.

Mit Blick auf den Infektionsschutz am Arbeitsplatz sei es wichtig, dass die Arbeitgeber ein Informationsrecht zum Impfstatus der Mitarbeiter erhielten. Sollten sich Mitarbeiter den 3G-Regeln, also Zugang nur für Geimpfte, Getestete oder Genesene, verweigern, müssten sie im Homeoffice arbeiten. Für besondere Berufen, etwa im Gesundheitswesen, brauche es zudem eine Impfpflicht.

Angesichts der hohen Infektionszahlen und extremen Dynamik bei den Neuansteckungen sieht Söder Weihnachtsmärkte kritisch: "Ich würde empfehlen, sie abzusagen." Sollten sie doch stattfinden, ginge das nur mit Maskenpflicht und ohne Alkohol. Für Großveranstaltungen brauche es ferner "dringend Obergrenzen", betonte Söder.

Söder wies erneut Kritik am Corona-Management in Bayern zurück. Hauptursache für die schwierige Lage, die auch viele Experten überrascht habe, sei die nach wie vor zu niedrige Impfquote. In Bayern seien 4,6 Millionen Menschen nach wie vor ohne Impfschutz. Dort, wo es jetzt die höchsten Inzidenzen gebe, sei die Impfquote am geringsten. Auch ohne gesetzliche Pflicht gebe es aber für jeden eine moralische Impfpflicht, sich und seine Mitmenschen zu schützen.

Sachsen: Kretschmer hält härtere Corona-Maßnahmen für nötig

20.31 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält angesichts der dramatischen Corona-Lage im Freistaat weitere Maßnahmen für nötig. Die Freiheit der Geimpften sei ihm immer wichtig gewesen, sagte er am Donnerstagabend bei einer Online-Diskussionsveranstaltung mit Blick auf die Corona-Situation in Sachsen.

"Ich spüre nur immer mehr, wenn wir wirklich erfolgreich diese Welle brechen wollen, werden wir das nicht tun können, indem wir nur die Gruppe der Ungeimpften adressieren, sondern wir werden vermutlich einen größeren Wurf machen müssen." Das sei eine bittere Erfahrung, "aber vermutlich die einzige Möglichkeit". Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) spricht bei einer Pressekonferenz.

Impfungen brächten erst in einigen Wochen einen Effekt, man müsse aber jetzt handeln, betonte Kretschmer. Sachsen hat zurzeit bundesweit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz von Corona-Neuinfektionen Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch einen Wert von 742,2.

An diesem Donnerstag soll der Bundestag Gesetzespläne von SPD, FDP und Grünen zur Bekämpfung der Pandemie beschließen. Am Nachmittag will die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut zu einer Krisenrunde mit den Ministerpräsidenten zusammenkommen.

Impfstoff für Kinder soll noch vor Weihnachten kommen

19.00 Uhr: Das Bundesgesundheitsministerium rechnet damit, dass ein Corona-Impfstoff für Kinder zwischen fünf und elf Jahren wohl bis kurz vor Weihnachten verfügbar sein könnte. Eine mögliche Zulassung für diese Altersgruppe könne für den Impfstoff von Biontech noch im November erwartet werden, heißt es in einem Bericht des Ressorts zu den Bund-Länder-Beratungen an diesem Donnerstag. "Erstmalig verfügbar in Deutschland wird dieser Kinderimpfstoff vorbehaltlich der Zulassung voraussichtlich ab dem 20. Dezember 2021 sein." Zuerst berichtete das Nachrichtenportal "ThePioneer" (Donnerstag) darüber. Carolyn Kaster/AP/dpa Eine Kinderdosis mit einem Corona-Impfstoff wird im „Children’s National Hospital“ in Washington in eine Spritze aufgezogen. Die USA haben damit begonnen, Kinder im Grundschulalter gegen das Coronavirus zu impfen.

Über die Verteilung der ersten angekündigten Lieferung von rund 2,4 Millionen Dosen will das Ministerium demnach in den kommenden Tagen mit den Ländern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pharma-Großhandel beraten. Impfungen bei Kindern sind bisher erst ab zwölf Jahren möglich. Insgesamt gibt es 9,2 Millionen Kinder unter zwölf Jahren, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

 

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