Risikofaktor für Schlaganfall: Viele Frauen tragen ihn in sich, ohne es zu wissen

Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und kann zu starken Regelschmerzen bis hin zur Unfruchtbarkeit führen. Eine neue Studie der University of Arizona belegt nun den Zusammenhang zwischen der Krankheit und einem erhöhten Risiko von Schlaganfällen.

Endometriose zählt zu den häufigsten Erkrankungen des weiblichen Unterleibs. Heftige Regelschmerzen, Probleme beim Sex und sogar Unfruchtbarkeit zählen zu den Folgen des Krankheitsbildes. Jetzt zeigt eine Studie, dass Endometriose sogar die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und damit ein erhöhtes Risiko von Schlaganfällen – fördern kann.

Neue Studie: Endometriose ist Risikofaktor für Schlaganfälle

Bei einer Endometriose siedeln sich Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, an Orten wie dem Becken, den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm an. Die Ansiedelungen werden Endometrioseherde genannt und können – je nach Ausprägung – zu unterschiedlich starken Beschwerden führen. Neben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, starken Bauchschmerzen und einem gestörten Zyklus kann die Erkrankung nach neuen Erkenntnissen auch die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

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Untersucht wurde dieser Zusammenhang von einem Forschungsteam der University of Arizona in Tucson, welches Daten von mehr als 100.000 US-Krankenschwestern auswertete. Diese wurden seit 1989 im Rahmen der Nurses‘ Health Study II alle zwei Jahre zu ihrem Lebensstil und eventuellen Krankheiten befragt.

Frauen mit Endometriose erleiden 34 Prozent häufiger einen Schlaganfall

Der Fokus der Datenerhebung lag auf den Frauen, die zu Beginn der Studie im Alter von 25 bis 42 Jahren keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen, in den darauffolgenden 28 Jahren jedoch einen Schlaganfall erlitten.

Dabei ergab sich, dass 5244 Frauen, bei denen zuvor eine Endometriose durch eine Laparoskopie – eine Bauchspiegelung – nachgewiesen wurde, einen Schlaganfall 34 Prozent häufiger erlitten. Die in diesem Zusammenhang ermittelte Hazard-Ratio lag zudem mit 1,10 bis 1,62 auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Die Hazard Ratio entspricht dem Verhältnis der Hazard Raten (Gefahren, Risiko) zweier Gruppen (z.B. Frauen mit und Frauen ohne Endometriose). Bei einer Hazard-Ratio von 1 gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen.

Warum erhöht Endometriose das Herz-Kreislauf-Risiko?

Wie die Forschenden schreiben, ergaben ihre Berechnungen:

  • 39 Prozent der auf die Endometriose zurückzuführenden Schlaganfälle wurden durch die Entfernung von Uterus und/oder Ovarien ausgelöst.
  • 16 Prozent sind auf die erfolgte Hormontherapie zurückzuführen.
  • Eine weitere mögliche Ursache für das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko sehen die Forschenden zudem in den Entzündungsreaktionen, die mit der zyklischen Bildung der Schleimhaut verbunden sind.

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  • Damit bestätigt die Analyse frühere Studien, die bereits bewiesen hatten, dass sich Endometriose auf den gesamten Organismus – vor allem auf das Herz-Kreislaufsystem – auswirken kann.

    Wie entsteht Endometriose?

    Die genauen Ursachen für Endometriose sind bislang unbekannt. Sicher ist, dass Hormone bei der Entstehung eine tragende Rolle spielen, weswegen die Erkrankung vor allem bei Frauen im Alter zwischen der Pubertät und den Wechseljahren auftritt. Auch ein fehlerhaft arbeitenden Immunsystem und erbliche Faktoren können das Risiko einer Endometriose erhöhen.

    Nach Schätzungen erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 40 000 Frauen daran. Damit ist Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Dennoch: „Trotz der hohen Verbreitung und der gravierenden Auswirkungen wird die Erkrankung gesellschaftlich zu wenig wahrgenommen“, schreibt die Endometriose Vereinigung. Die meisten Betroffenen hätten vor ihrer Diagnose noch nie von Endometriose gehört. Viele Frauen erkranken also daran, ohne es zu wissen.

    Wie lässt sich Endometriose feststellen?

    Eindeutig diagnostiziert werden kann Endometriose in der Regel nur durch eine Bauchspiegelung. Das ist der Grund, wieso die Erkrankung bei vielen Frauen lange unentdeckt bleibt. Bei der Bauchspiegelung führt der Arzt ein röhrenförmiges optisches Untersuchungsgerät, das Endoskop, in die Bauch- oder Beckenhöhle ein, um die inneren Organe zu beurteilen.

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    Alternativ kann auch eine Ultraschalluntersuchung Hinweise auf größere Endometrioseherde und -zysten liefern. Kleine Herde oder Verwachsungen können jedoch nicht dargestellt werden. Mit einem Vaginalultraschall lassen sich zudem Endometriosezysten an den Eierstöcken oder Endometrioseherde am Darm oder in der Blase feststellen.

    Wie lässt sich Endometriose behandeln?

    In der Regel wird die Krankheit mit Schmerzmitteln oder hormonellen Medikamenten behandelt. Eine Operation mit einer Bauchspiegelung oder einem Bauchschnitt kann die Endometrioseherde weitestgehend entfernen. So können die Schmerzen gelindert werden, förderliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind bislang nicht belegt.

    Wenn Endometriose-Herde im Bereich der Gebärmutter liegen, überlegen manche Frauen mit sehr starken Beschwerden, sich die Gebärmutter entfernen zu lassen. Dabei können auch an die Gebärmutter angrenzende Herde entfernt werden.

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