Verringerte Genesungszeit – Remdesivir wirkt

Relativ schnell war zu Beginn der Pandemie klar, dass der RNA-Polymerasehemmstoff Remdesivir in vitro die Replikation von SARS-CoV-2 unterbinden kann. Der Wirkstoff wurde in etlichen Ländern im Rahmen einer Notfallgenehmigung zur COVID-19-Behandlung mit vorläufigen Wirksamkeitsdaten zugelassen. Nun wurden im „New England Journal of Medicine“ die endgültigen Daten einer Studie veröffentlicht, welche die Wirksamkeit von Remdesivir belegen sollen. 

Im „New England Journal of Medicine“ wurden vor Kurzem die endgültigen Daten einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten multizentrischen Studie mit einem Patientenkollektiv von 1.062 Patienten veröffentlicht, welche die Wirksamkeit von Remdesivir belegen sollen. Dafür erhielten 541 Patienten neben der im entsprechenden Land üblichen Standardtherapie intravenös Remdesivir in einer Startdosis von 200 mg, in den folgenden neun Tagen in einer Dosis von 100 mg. Die Kontrollgruppe mit 521 Patienten bekam über zehn Tage Placebo. Alle Probanden waren aufgrund von COVID-19 mit gleichzeitigen Anzeichen einer Infektion der unteren Atemwege in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Insgesamt waren 15 Prozent der Probanden leicht bis mittelschwer erkrankt, der Rest schwer (musste künstlich beatmet werden). Die Patienten galten als genesen, wenn sie entweder aus dem Krankenhaus entlassen wurden oder nur noch zur Infektionskontrolle im Krankenhaus einbehalten wurden. 

Je früher desto besser

Die mittlere Zeit bis zur Genesung war mit zehn Tagen (95%-Konfidenzintervall: 9 bis 11) in der Gruppe der mit Remdesivir behandelten Probanden signifikant kürzer im Vergleich zu der mit Placebo behandelten Gruppe (15 Tage, 95%-Konfidenzintervall: 13 bis 18). Auch im sekundären Endpunkt, der Verbesserung des klinischen Status an Tag 15, war die Verumgruppe deutlich überlegen (Odds Ratio = 1,5; 95%-KI: 1,2 bis 1,9). Die mittels Kaplan-Meier-Plot geschätzte Mortalität lag in der Remdesivir-Gruppe an Tag 15 bei 6,7 Prozent, in der Vergleichsgruppe bei 11,9 Prozent. Je früher Remdesivir ein­gesetzt wurde, desto größer war der Nutzen für den Patienten. 

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Wirkmechanismus von Remedsivir

Remdesivir zählt zu den Virostatika. Der Arzneistoff hemmt die Vermehrung bestimmter Viren – unter anderem Ebola- und Coronaviren –, indem Remdesivir das für die Vermehrung erforderliche Enzym, die virale RNA-Polymerase, blockiert. In SARS-CoV-2 liegt die Erbinformation – anders als beim Menschen – in Form von Ribonukleinsäure (RNA) vor. Bei der RNA handelt es sich um eine lange Zucker-Phosphat-Kette, an die einzelne Nukleinbasen – nämlich Adenin, Cytosin, Guanin und Uracil – angeknüpft sind. Als Zuckerbaustein dient die Ribose, daher auch der Name Ribonukleinsäure.

Will sich ein Virus vermehren, muss es zunächst seine Erbinformation für die Nachfolgegeneration verdoppeln. Dabei hilft die viruseigene RNA-Polymerase. Sie nutzt die vorhandene RNA als Vorlage und knüpft eine neue Kette, wieder bestehend aus Zucker-Phosphat und daran angehängt Adenin, Cytosin, Guanin oder Uracil. Remdesivir ähnelt jedoch der Nukleinbase Adenin und wird so als „falscher“ Baustein in die neue RNA des „Virus-Nachkommens“ eingebaut. Die Folge: Die RNA- und folglich die Virus-Vermehrung ist gestört. Der Wirkmechanismus könnte mit erklären, warum Remdesivir in früheren Phasen der COVID-19-Erkrankung, bei maximaler Virusvermehrung, besser zu wirken scheint als im fortgeschrittenen Stadium. (cel)

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