Warum sich Allergiker seltener mit Corona anstecken – und wessen Risiko besonders hoch ist

Die meisten Risikofaktoren für schwere Covid-Verläufe sind bekannt. Dazu zählen etwa Diabetes, Fettleibigkeit und andere Vorerkrankungen. Wie US-Forscher nun herausfanden, gibt es aber auch Komorbiditäten, die offenbar vor einer Infektion schützen: Nahrungsmittelallergien.

Sie wollten herausfinden, wie leicht sich das Coronavirus in Haushalten verbreitet: US-Forscher begleiteten in den vergangenen Jahren mehr als 1000 Familien und analysierten das Infektionsrisiko der Mitglieder. Dabei konnten sie nicht nur Rückschlüsse auf das Risiko bestimmter Altersgruppen ziehen. Sie stellten außerdem fest, dass sich Allergiker offenbar deutlich seltener infizierten. Eine andere Gruppe hingegen hatte ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko.

Studie: Nahrungsmittelallergie halbiert Corona-Infektionsrisiko

Die Forscher des National Institute of Allergy and Infectious Diseases begleiteten seit Beginn der Pandemie bis Februar 2021 rund 1400 Haushalte. Alle zwei Wochen nahmen sie bei den rund 4000 Bewohnern Nasenabstriche und testeten sie auf Sars-CoV-2. Dabei entdeckten sie einen überraschenden Zusammenhang: Bestimmte Allergiker infizierten sich deutlich seltener als andere Menschen mit Corona. Zuvor hatte es nur vorläufige Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gegeben.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine „selbstberichtete, ärztlich diagnostizierte Nahrungsmittelallergie das Infektionsrisiko halbierte “, heißt es in einer Mitteilung. Um diese Daten zu stützen, ermittelten die Forscher zusätzlich im Blut der Betroffenen Allergie-spezifische Antikörper. So konnten sie die selbstberichteten Allergien belegen und die Ergebnisse konkretisieren.   
 

Allergie-Ursprung könnte Coronavirus Zutritt zu Zellen erschweren

Die Wissenschaftler haben auch eine mögliche Erklärung für das halbierte Infektionsrisiko gefunden: Charakteristisch für Allergien sind nämlich sogenannte Typ-2-Entzündungen. Diese können sowohl Nahrungsmittelallergien und Krankheiten wie Neurodermitis auslösen, aber ebenso allergisches Asthma. Laut den Forschern sorgen genau diese Entzündungen dafür, dass die Konzentration der ACE2-Rezeptoren in den Atemwegszellen sinkt. Genau diese Rezeptoren braucht das Coronavirus jedoch, um in menschliche Zellen zu gelangen. Damit könnte die Allergie es dem Virus also schwerer machen, Zellen zu infizieren. Hinweise auf einen solchen Zusammenhang fanden Wissenschaftler bereits in Laborstudien .

Daneben spekulierten die Forscher, ob auch ein verändertes Risikoverhalten dieser Gruppe eine Rolle spielen könnte. Also, ob Nahrungsmittelallergiker weniger häufig in Restaurants aßen als andere. Allerdings stellten die Wissenschaftler mithilfe einer zweiwöchigen Befragung fest, dass es hier kaum Unterschiede zu Nicht-Allergikern gegeben hatte.

Wer ein besonders hohes Infektionsrisiko hat

Deutlich erhöht war das Infektionsrisiko stattdessen bei Menschen mit Adipositas . Bislang wussten Forscher nur, dass die Krankheit das Risiko für schwere Verläufe erhöht – den neuen Daten nach aber offenbar auch das für die Infektion selbst. Die Wissenschaftler fanden eine „starke, lineare Beziehung“ zwischen dem BMI und dem Risiko einer Corona-Infektion. Demnach stieg das Risiko einer Infektion – und zwar um neun Prozent mit jeder BMI-Zunahme um zehn Punkte. Personen, die übergewichtig oder fettleibig waren, hätten ein um 41 Prozent höheres Infektionsrisiko gehabt.

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass übergewichtige Menschen vermehrt ACE2-Rezeptoren aufzweisen. Um diese Ergebnisse umfassend zu erklären, bedarf es den Wissenschaftlern nach aber weiterer Untersuchungen.

Die Forscher fanden noch einen weiteren spannenden Zusammenhang: Das Infektionsrisiko für Asthmatiker war ihren Untersuchungen nach nicht erhöht. Das ist insofern interessant, da Asthmatiker aufgrund ihrer ohnehin beanspruchten Atemwege theoretisch besonders zur Risikogruppe zählen könnten. Das war jedoch nicht der Fall.

Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ . Diese sollen nach eigener Aussage dabei helfen, künftig Infektionen besser und gezielter zu verhindern.

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