Welche Studien laufen mit Kaletra?

Die fixe Kombination aus den HIV-Medikamenten Lopinavir und Ritonavir gehört zu den Therapieoptionen gegen COVID-19, auf denen große Hoffnungen ruhen. Sie wird derzeit in zahlreichen Studien erprobt, häufig in Kombination mit dem MS-Therapeutikum Interferon-Beta. Eine bereits abgeschlossene hat die Erwartungen leider nicht erfüllt, was aber daran liegen könnte, dass die Patienten zu spät behandelt wurden und dass die Dosis zu niedrig war.

Die fixe Kombination aus Lopinavir und Ritonavir (Originalarzneimittel: Kaletra®) wird kombiniert mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung von HIV-1-infizierten Kindern ab zwei Jahren und Erwachsenen eingesetzt. Sie ist in der EU schon seit 2001 zugelassen. Das heißt, es liegen umfangreiche Daten zur Anwendungssicherheit vor, ein Aspekt, der die Kombi für ein „repurposing“ gegen COVID-19 attraktiv macht. Der eigentliche antivirale Wirkstoff ist Lopinavir, das HIV-1- und HIV-2 -Proteasen hemmt und damit zur Bildung unreifer, nicht infektiöser Viren führt. Der Cytochrom-P450-Inhibitor Ritonavir wirkt hauptsächlich als „Verstärker“, indem er die Abbaugeschwindigkeit von Lopinavir in der Leber herabsetzt (Boostering).

In-vitro-Untersuchungen und erste klinische Daten deuteten darauf hin, dass die antiretrovirale Therapie auch bei schweren, durch Coronaviren verursachten Infektionen, inklusive dem Auslöser des Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS), und SARS-CoV-2 wirksam sein könnte.

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Kein Unterschied in der Viruslast

Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer offenen randomisierten, kontrollierten Studie zum Einsatz der der fixen Kombination bei schwerkranken COVID-19-Patienten sind allerdings nicht sehr ermutigend. 199 hospitalisierte Personen mit laborbestätigter SARS-CoV-2-Infektion, die teilweise beatmet wurden, hatten die Standardbehandlung erhalten und 99 davon zusätzlich zwei Wochen lang zweimal täglich 400 mg Lopinavir plus 100 mg Ritonavir oral. Der Gesundheitszustand der Patienten verbesserte sich im Median nach 16 Tagen (primärer Endpunkt) sowohl mit als auch ohne Lopinavir/Ritonavir. Bei den sekundären Endpunkten, zeigten sich weder bezüglich der Sterblichkeitsrate noch bezüglich der Dauer der intensiv­medizinischen Behandlung und der Zeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus signifikante Vorteile in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe. Auch in der Viruslast der Patienten machte sich kein wesent­licher Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen bemerkbar. Als methodische Schwachpunkte führen die Autoren unter anderem an, dass die Behandlung eventuell zu spät gestartet worden und dass die Dosis zu gering gewesen sein könnte. 

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