Mini-OP durch die Vene: Das geschah bei Sami Khediras Eingriff am Herzen

Die Nachricht schockte nicht nur Fußball-Fans: Herzprobleme bei Sami Khedira! Drei Tage und eine Mini-OP später ist er wieder zuhause und (fast) bereit für den nächsten Einsatz. Eine Kardiologin erklärt, was der 31-Jährige genau hatte, wie er behandelt wurde und warum sein Herz völlig gesund ist.

Wer bei einem Spitzenclub wie Juventus Turin Fußball spielt, muss topfit sein. Mittelfeldspieler Sami Khedira ist es. Noch am vergangenen Freitag stand der 31-Jährige in einem Punktspiel der italienischen Serie A auf dem Platz. Doch beim Training am Dienstag begann das Herz des ehemaligen deutschen Nationalspielers plötzlich zu rasen. Es folgte eine Katheter-Untersuchung und anschließend ein kleiner Eingriff beim Turiner Herzspezialisten Fiorenzo Gaita.

Was war da los, dass aus dem Athleten wie aus dem Bilderbuch plötzlich ein Patient wurde, der seinem Herzen nicht mehr trauen konnte?  

Alarmierend: 31 Jahre alt, Profifußballer und das Herz rast

Herzrhythmusstörungen lautete die erste Diagnose. Ein unregelmäßiger Herzschlag gehört zu den häufigsten Beschwerden unseres Lebensmotors. Sami Khediras Problem war aber nicht das weit verbreitete Vorhofflimmern, von dem 1,8 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.

Die korrekte Diagnose postete Khedira selbst in einer ersten englischsprachigen Wortmeldung: „arrhythmogenic atrial focus“. „Diesen Begriff hat ihm sicher sein Kardiologe gesagt“, schmunzelt Ellen Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Kardiologie an der München Klinik Bogenhausen. „Das ist eine relativ seltene, anlagebedingte Herzrhythmusstörung, die nicht lebensbedrohlich ist.“

Der Sport war unschuldig an Sami Khediras Herzrhythmusstörung

Während beim Vorhofflimmern chaotische elektrische Impulse am Übergang der Lungenvene zur linken Herzkammer abgefeuert werden, trägt sich die Fokus-Rhythmusstörung im rechten Vorhof zu. Dabei kann das Herz rasen, es schlägt aber nicht unorganisiert und wild. Die Rhythmusstörungen werden durch einen Fehlalarm von Zellen, dem Fokus, ausgelöst. „Das kann man sich wie eine Zündkerze vorstellen, die plötzlich feuert. Schaltet man diese Stelle aus, endet auch die Rhythmusstörung“, erklärt die Expertin für Herzkatheter- Untersuchungen und -Eingriffe.

Bei der Vorhof-Rhythmusstörung spielt Hochleistungssport, wie ihn Sami Khedira betreibt, keine Rolle. Er ist allerdings ein Risikofaktor für Vorhofflimmern. Die Herzmedizinerin Barbara Richartz, die das Zentrum für ambulante Kardiologie München-Bogenhausen leitet, erklärt: „Hochleistungssport ist ein wichtiger Risikofaktor für Vorhofflimmern. Die Athleten haben gegenüber Normalsterblichen das fünffache Risiko.“ Schuld daran sei die ständige Extrembelastung des Herzens und die damit verbundene Dehnung der Vorhöfe. Sie leiern aus und sind dann anfällig für chaotische elektrische Impulse, die das Herz rasen lassen.

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Beseitigt Rhythmusstörungen für immer: die Katheter-Ablation

Normalerweise würde eine erstmalige Rhythmusstörung wie bei Khedira zunächst medikamentös behandelt werden, etwa mit Betablockern. „Für Leistungssportler funktioniert das nicht“, weiß Ellen Hoffmann. „Der Herzschlag würde verlangsamt. Sie könnten nicht mehr bis an ihre Leistungsgrenze gehen.“ Die Ablation, die der Turiner Kollege für Khedira wählte, sei also genau richtig gewesen.

Mit einer minimalinvasiven Katheter-Ablation werden die störenden Herzmuskelzellen mit Wärme oder Kälte verödet. Das geschieht nach einer elektrophysiologischen Untersuchung. „Dabei wird über den Katheter eine Rhythmusstörung ausgelöst, um am Monitor zu sehen, wo genau der fehlzündende Fokus liegt. Dort wird dann verödet.“

Von der Leiste durch die Vene direkt ins Herz

Das entsprechende Instrument wird von einem Schnitt in der Leistenbeuge per Katheter über eine Vene ins Herz geschoben. Dafür ist nicht einmal eine Vollnarkose nötig. Denn: „An der Innenseite von Gefäßen sind keine Nerven. Der Patient spürt also nichts“, sagt Barbara Richartz.

Viel länger als 30 Minuten dauert die Ablation bei einem erfahrenen Elektrophysiologen, so heißen die Kardiologie-Spezialisten für diese Eingriffe, nicht.

Sami Khedira soll nach einer Pause von etwa einem Monat schon wieder für den italienischen Meister auflaufen. Das sei durchaus möglich, meint die Kardiologie-Professorin Ellen Hoffmann: „Khedira hatte ein kleines elektrisches Problem, aber er hat ein gesundes Herz.“

Sobald der kleine Schnitt in der Leiste komplett verheilt ist, kann der Fußballer wieder trainieren, meint die Herz-Expertin. Vielleicht nimmt er noch eine Weile ein niedrig dosiertes Aspirin. Und er wird sicher von den Juve-Medizinern gründlich überwacht, etwa mit Belastungs- und Langzeit-EKGs. „Aber die Ablation ist eine heilende Maßnahme“, meint die Expertin Ellen Hoffmann, „die Rhythmusstörungen treten vermutlich nie wieder auf.“

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