Nieren-Spezialist verrät, was er selbst für den Schutz seiner Nieren tut

Ärzte sprühen vor guten Ratschlägen, doch welche befolgen sie selbst? Autor Werner Riegel ist Nephrologe und Vorsitzender der deutschen Nierenstiftung und verrät, welche Tipps er selbst im Alltag beherzigt, um seine Nieren zu schützen.

Gesunde Nieren sind ein hohes Gut, das weiß ich natürlich als Nierenspezialist nur allzu genau. Schließlich habe ich lange in meiner täglichen Praxis viele Nierenkranke gesehen und kenne deren Schicksale im Detail. Und das waren nicht nur Menschen an der Dialyse, sondern auch viele mit eingeschränkter Nierenfunktion in den Vorstadien.

1. Schutz der Nieren: Diabetes mellitus und Bluthochdruck vorbeugen

Um das zu verhindern, müssen die häufigsten Ursachen für Nierenerkrankungen zuerst ins Visier genommen werden: Das sind die bekannten Volkskrankheiten Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Ich kenne deshalb meinen Blutzuckerwert, meinen HbA1-Wert und natürlich meinen Blutdruck. Nicht nur Internisten und Spezialisten für Nierenerkrankungen haben diese Werte immer im Blick, auch jeder Hausarzt.

Sollten sie grenzwertig sein, muss regelmäßig kontrolliert werden. Und wenn sie komplett außerhalb des grünen Bereichs liegen, dann ist eine Therapie dafür unerlässlich. Werner Riegel

Über den Experten

Werner Riegel ist seit 16 Jahren Vorsitzender der Deutschen Nierenstiftung. Bis Oktober 2021 war er Direktor der Medizinischen Klinik III am Klinikum Darmstadt mit den Schwerpunkten Nieren-, Hochdruck- und Rheuma-Erkrankungen. Weitere Informationen rund um die Nierengesundheit finden Sie auf der Webseite der Deutschen Nierenstiftung.

2. Schutz der Nieren: Harnwegsinfektionen vermeiden

Die Kontrolle dieser Werte und auch die Therapie sind schon ein echter „gelebter“ Nierenschutz – fast wie ein Nierengurt beim Motorradfahren. Der schützt vor Entzündungen und nachfolgenden Infektionen der Nieren und der Blase. Auch das ist wichtig. Denn chronische aufsteigende Harnwegsinfektionen können tatsächlich chronische Nierenerkrankungen auslösen.

Pyelonephritis und interstitielle Nephritis sind dafür die Fachbegriffe. Frauen sind dabei häufiger betroffen. Und Kinder mit einer (angeborenen) Refluxnephropathie. Damit ist der Rückfluss des Harns aus der Blase in die Harnleiter gemeint. Er wird von Kinderärzten kontrolliert.

Harnwegsinfektionen machen sich in Form von Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Meist muss man die Toilette ungewöhnlich häufig aufsuchen. Vielleicht ist der Urin trübe, auch das ist ein wichtiger Hinweis. Dann sollte der Urin untersucht werden, beim Arzt oder der Ärztin des Vertrauens – mit hausärztlichem, internistischem, gynäkologischen oder auch nephrologischem Schwerpunkt.

Wie intensiv der Schutz der Nieren sein muss, bestimmt das Ausmaß der Schädigung. Der Schaden an den Nieren wird durch zwei Parameter bestimmt: Das sind die eGFR, berechnet aus dem Blutwert Kreatinin, und die Albuminausscheidung im Urin. Selbstverständlich kenne ich auch hier meine Werte. Für mich ist das so selbstverständlich wie meinen Cholesterinwert zu kennen.

3. Schutz der Nieren: Täglich 30 Minuten gehen

Zum Schutz meiner Nieren halte ich mich außerdem an die Empfehlungen von vielen Fachgesellschaften und Experten: Bewegung ist sehr wichtig. Täglich 30 Minuten gehen beziehungsweise täglich zehntausend Schritte sind empfohlen und tatsächlich auch gut für den Nierenschutz. Dabei wird die Muskulatur durchblutet, die Stoffwechselendprodukte werden besser ausgewaschen, der Blutzuckerstoffwechsel wird verbessert und ganz entscheidend ist, dass der Blutdruck gesenkt wird.

Neueste Studien zeigen, dass täglich 30 Minuten Bewegung so viel Effekt haben wie ein Medikament zum Blutdrucksenken. Und niedriger Blutdruck nimmt dann auch den Druck von den Nieren. Das ist ein wichtiger Nierenschutz. Zu hoher Druck auf die feinen Gefäße führt zu einer Überlastung der Nieren. Und dauerhafte Überlastung führt zu einer Schädigung und so zu einer chronischen Nierenerkrankung.

Hoher Blutdruck muss natürlich auch durch Medikamente gesenkt werden. Das gehört ebenfalls zum Nierenschutz. ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker und viele andere Substanzklassen spielen dabei eine Rolle.

4. Schutz der Nieren: Wenig Eiweiß, einmal Fisch pro Woche, viel Obst und Gemüse

Ausgewogen ernähren ist das Stichwort:

  • nicht zu viel Eiweiß
  • einmal Fisch pro Woche
  • viel Obst und Gemüse
  • wenig Salz

Manche sprechen bei meiner Ernährungsweise von „mediterraner“ Kost. Sie enthält ausreichend Kalium und wenig Aminosäuren, die Abbauprodukte der (tierischen) Eiweiße. Nicht zu vergessen ist eine ausreichende Trinkmenge. Zwei Liter Wasser oder Früchtetee schützen die Nieren und sind ausreichend. Und ein Glas Wein am Tag schadet den Nieren nicht.

Mein Fazit

Warum ist der Nierenschutz für mich so wichtig? Weil ich natürlich keine Dialyse-Behandlung möchte und mich auch vor Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz schützen will. Daher gilt: Kontrolle und nochmals Kontrolle der wichtigsten Werte aus Blut und Urin, Kontrolle des Blutdrucks und des Blutzuckers, sich bewegen und frische Produkte essen.

Der magische Dreiklang der Nierengesundheit

Deutsche Nierenstiftung Die Deutsche Nierenstiftung hat in einer Grafik die wichtigsten Maßnahmen zusammengestellt, um die Nieren gesund zu halten. Laden Sie sich das Bild unter folgendem Link herunter, um alle Tipps aus den Bereichen Ernährung, Bewegung und Entspannung zu lesen:

„Der Magische Dreiklang der Nierengesundheit“ hier herunterladen!

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